Euro-Krise: Draghi rechnet mit anhaltend niedriger Inflation

Euro-Krise
Draghi rechnet mit anhaltend niedriger Inflation

Die EZB geht davon aus, dass die Inflation im Euroraum auch 2016 unter ihrem Zielwert von nahe zwei Prozent bleibt. Grund zum Handeln sieht sie aber derzeit nicht. Optimistisch ist Draghi für das Wachstum.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) rechnet bis 2016 mit einer niedrigen Inflation in der Euro-Zone. Die Prognose für die durchschnittliche Teuerungsrate in diesem Jahr wird von 1,1 auf 1,0 Prozent gesenkt, wie die Währungshüter am Donnerstag in ihren vierteljährlichen Projektionen mitteilten. 2015 werden wie bislang 1,3 Prozent erwartet. Für 2016 wagte die EZB erstmals einen Ausblick: Die Inflationsrate soll dann bei 1,5 Prozent liegen. Die Währungsunion stecke in einer "langanhaltenden Phase niedriger Teuerung", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Gleichzeitig beließ sie aber den Leitzins auf dem bisherigen Niveau von 0,25 Prozent.

Einige Ökonomen hatten erwartet, die EZB würde mit einer geldpolitischen Lockerung auf die schwache Preisentwicklung reagieren. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher reagierte enttäuscht. „Ich hätte ein deutliches Signal der EZB erwartet. Denn das Deflationsrisiko in der Eurozone ist hoch,“ sagte er. Auch die Finanzierungsbedingungen seien weiterhin schlecht für zu viele Unternehmen in den Krisenländern.

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding begrüßt hingegen die Entscheidung. "Der Aufschwung ist da, den Tiefpunkt der Inflation haben wir erreicht. Es gibt daher keine Notwendigkeit für die EZB, noch einmal etwas zu tun,“ sagt Schmieding.

Laut ihrer aktuellen Prognose geht die EZB allerdings davon aus, dass die Inflation im Euroraum bis 2016 unterhalb ihres Zielwertes von knapp unter zwei Prozent liegt. Da in einigen Ländern wie Spanien die Preise zuletzt sogar gefallen sind, geht die Angst vor einer Deflation um. Um einen solchen Preisverfall auf breiter Front zu verhindern, hatte die EZB ihren Leitzins im November 2013 auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Eine anhaltend niedrige Inflation macht eine nochmalige Zinssenkung wahrscheinlicher.

Die Ökonomen des Euro-Systems - also der EZB und der nationalen Notenbanken der Währungsunion - erwarten zugleich einen leichten Aufschwung. Sie erhöhten ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr von 1,1 auf 1,2 Prozent. 2015 werden wie bislang 1,5 Prozent erwartet, für 2016 wird ein Plus von 1,8 Prozent vorhergesagt. "Die Erholung setzt sich fort, wenn auch in einem gemächlichen Tempo", sagte Draghi.



Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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