Euro-Krise
Heftige Kritik an Ökonomen-Aufruf zur EZB

Der Unterstützer-Aufruf einiger renommierter Ökonomen für das Anleiheprogramm der EZB sorgt für Ärger. Einige Fachkollegen reagieren irritiert. Sie warnen vor einer Bevormundung des Bundesverfassungsgerichts.
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Nicht zum ersten Mal sorgt ein Aufruf für Ärger in der Ökonomenszene. In einer gemeinsamen Erklärung haben renommierte Ökonomen wie DIW-Chef Marcel Fratzscher und die frühere Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro die Linie von EZB-Chef Draghi gestützt. Doch nicht bei allen Fachkollegen kommt das gut an.

Die Ökonomen um Fratzscher und di Mauro warnen vor einer "tiefen Depression", falls das Bundesverfassungsgericht die Macht der Europäischen Zentralbank (EZB) einschränken sollte. „Wir – eine vielfältige Gruppe von Ökonomen aus der ganzen Welt – sind schwer beunruhigt über die Angriffe in Deutschland von einigen Ökonomen, Politikern und Beobachtern auf die EZB und ihre Politiken, besonders gegen das OMT-Anleihekaufprogramm“, heißt es in dem Aufruf.

Vor einem Jahr hatte EZB-Chef Draghi angekündigt, dass die EZB alles notwendige tun werde, um den Euro zu retten. Einige Wochen später legte sie das OMT-Programm auf, über das sie im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer kaufen kann.

Der Bonner Makroökonom Jürgen von Hagen hat den Aufruf nicht unterschrieben. Seine Antwort soll sehr deutlich ausgefallen sein: „Bei allem Respekt finde ich diesen Aufruf äußerst fürchterlich“, schrieb er laut FAZ an die Verfasser. Es sei das Recht des Gerichthofs selbst zu entscheiden, was richtig oder falsch sei. Andeutungen, wonach der Gerichtshof der Stimme der Massen gehorchen solle, seien eine Beleidigung des Verfassungsgerichts.

Zu den weiteren Kritikern des Aufrufs gehören auch der der frühere DIW-Forschungsdirektor Ansgar Belke und der emeritierte Bonner Geldtheoretiker Manfred Neumann. Ähnlich wie von Hagen kritisierte Neumann gegenüber der FAZ, dass der Aufruf faktisch auf den Versuch hinauslaufe, öffentlichen Druck auf das Bundesverfassungsgericht auszuüben.

Belke erwartet, dass die Massenpetition die nächste Gegenpetition provozieren werde. Er wirft den Aufrufenden vor, dass der Eindruck vermittelt werden solle, dass der Mainstream der deutschen Ökonomen gegen den Rest der Welt stehe.

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Heftige Kritik an Ökonomen-Aufruf zur EZB

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Aufruf gleicht einer Verteidigungsrede

Kommentare zu " Euro-Krise: Heftige Kritik an Ökonomen-Aufruf zur EZB"

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  • Der Ökonomen-Appell ist eine Aufforderung zum Rechtsbruch

    Staatspapierkäufe der Europäischen Zentralbank sind ganz klar verboten. Hinzu kommt: Durch monetäre Staatsfinanzierung werden Reformen und der unvermeidliche Konkurs von Krisenländern verschleppt.

    http://www.wiwo.de/politik/europa/walter-kraemer-der-oekonomen-appell-ist-eine-aufforderung-zum-rechtsbruch/8580686.html

  • Hey Rechner!Allerunterste Schublade Sie Eu-Troll!!!

  • @Rechner

    Zitat:"Also: WO UND WANN HAT DIE EZB DAS GESAGT?"

    Welche Grenze hat die Verbrecher-Mafia-EZB als OBERGRENZE denn genannt, Rechner? Sie wissen offensichtlich ja mehr als "unbegrenzt".

    P.S.: Ich will eine ZAHL hören und nicht ihr blödes Geschwafel!

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