Euro-Rettungsschirm
Weidmann erhöht Spaniens Bringschuld

Bundesbankchef Jens Weidmann verlangt Madrid höhere Anstrengungen im Gegenzug für Hilfsgelder der Euroländer ab. Neben der Reform seines Bankensektors müsse Spanien auch seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
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BerlinBundesbankchef Jens Weidmann pocht darauf, dass Spanien als Gegenleistung für europäische Hilfsgelder für seine maroden Banken auch Strukturprobleme beherzt angeht. "Die spanische Regierung kann darauf bauen, dass Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden - gegen Auflagen", sagte Weidmann am Sonntagabend in der ARD. Dabei gehe es nicht nur um den Rekapitalisierungsbedarf der Finanzinstitute. "Es geht auf der anderen Seite auch um die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Wirtschaft und den mangelnden Zugang der spanischen Regierung an den Kapitalmarkt", betonte Weidmann.

Der Bundesbankchef betonte, er habe Vertrauen in die Regierung in Madrid, die bereits am Arbeitsmarkt "sehr umfangreiche Struktur-Reformmaßnahmen" vorgenommen habe: "Aber auf diesem Weg muss sie eben weitergehen", mahnte Weidmann. Die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy hatte sich erst nach langem Zögern dazu durchgerungen, europäische Rettungshilfen für seinen maroden Bankensektor zu beantragen.

Das Land wird dafür bis zu 100 Milliarden Euro erhalten, wie die Finanzminister der Euro-Länder am Samstag mitteilten. Die genaue Höhe soll in diesem Monat eine unabhängige Untersuchung des Finanzsektors ermitteln.

Damit wird Spanien als viertes Euroland unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen und kann auf Notkredite bis zu 100 Milliarden Euro bauen. Das beschlossen die Finanzminister der Eurozone am Samstag in einer dreistündigen Telefonkonferenz.

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Bundesbank auf Distanz zum IWF

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  • Zum Begriff "Bringschuld" und seiner meist unangemessenen Verwendung in der Berichterstattung habe ich vor kurzem gebloggt: http://blog.text-und-sinn.de/2012/06/11/bringschuld-erbracht/#comment-16

    Im Text selbst ist gar keine Rede von Bringschuld – vielleicht zitiert der Redakteur nicht Weidmann, sondern hat das Wort ohne nachzudenken in den Titel gesetzt, weil es derzeit in aller Munde ist. Hier passt es nun aber gar nicht. Wenn man schon das Wort hätte verwenden wollen, dann wäre zur Not „Weidmann sieht Spanien in einer hohen Bringschuld“ gegangen, obwohl es klarer und besser geheißen hätte: „Weidmann nimmt Spanien in die Pflicht“.

    Dorothea Wagner (Lektorat Text & Sinn)

  • Cui bono, fragte man gern im roemischen Senat.Ich frage noch einmal, weiss jemand, wer die groessten Glaeubiger spanischer Banken sind? Erzaehl mir bitte keiner, dass das die spanischen Sparer sind.

  • "Sollen sich die anderen 17 respektive 27 entweder dem deutschen oder dem franzoseischen Konzept unterwerfen? "

    Die Antwort auf die Frage ist zu 100% davon abhängig ob Deutschland (z.B. über Eurobonds) bezahlt. Wenn ja dann werden ganz sicher die Franzosen und früher oder später alle anderen die Rente mit 60 einführen. Das deutsche Renteneintrittsalter wird dann irgendwann "alternativlos" von 67 auf 69 angehoben.

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