Euro-Schuldenkrise
Krisen-Virus bedroht Deutschland

Die Warnung des IWF ist nicht ohne: Der Fonds hält ein Übergreifen der Euro-Schuldenkrise auf Deutschland für möglich. In Berlin ist man alarmiert – doch mit Gegenmaßnahmen tut man sich schwer. Das könnte sich rächen.
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BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine Länder-Analyse zu Deutschland veröffentlicht, die aufhorchen lässt. Demnach könnte auch Deutschland von dem grassierenden Krisen-Virus, der bisher nur die hochverschuldeten südeuropäischen Länder fest im Griff hat, voll erwischt werden. Bei den IWF-Experten liest sich das dann so: Deutschland sei „extrem“ anfällig für negative Entwicklungen von außen, sowohl in der Euro-Zone als auch in der Weltwirtschaft, da es eine der offensten großen Volkswirtschaften weltweit sei. Das hohe Maß an Offenheit der deutschen Wirtschaft im Handel und im Finanzbereich, gepaart mit nach wie vor relativ hohen Außenständen der deutschen Banken im benachbarten Ausland, birgt laut IWF Risiken. Komme es zu tiefen Erschütterungen im Euro-Raum, könnte das für Deutschland einen „massiven Einbruch“ auslösen.  Düsterer kann man wohl ein Horrorszenario nicht beschreiben.

Sicher, auch der IWF sieht, dass Deutschland bisher sämtliche Widrigkeiten „bemerkenswert“ gemeistert hat. Allerdings deute einiges darauf hin, dass insbesondere die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt  langsam auslaufe. Aufgabe der Politik sei es, die deutsche Wirtschaft stärker gegen Abwärtsrisiken abzusichern, schreibt der Fonds in seinem Deutschland-Bericht. Und genau an dieser Stelle liegt der Ball im Feld der deutschen Politik. Denn die IWF-Analyse ist indirekt auch eine Aufforderung an Berlin, das Heft des Handelns jetzt in die Hand zu nehmen, um Deutschland gegen den Krisen-Virus abzuschirmen.

Wie groß der Druck ist, zeigt auch, eine Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Schuldenkrise in der Euro-Zone wird demnach die deutsche Wirtschaft stärker abbremsen als erwartet.  „Die Krise im Euroraum holt die deutsche Wirtschaft ein“, bringt denn auch der DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner die Problematik auf den Punkt. Daran würden auch die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels zur Förderung des Wirtschaftswachstums im gemeinsamen Währungsraum nichts ändern. Die Nachfrage aus dem Euroraum nach deutschen Produkten werde schwach bleiben, da das Währungsgebiet in einer ausgeprägten Rezession stecke.

In Berlin ist man alarmiert, doch mit Gegenmaßnahmen tut man sich schwer. Koalition und Opposition ziehen ohnehin nicht an einem Strang. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und hat je eigene Vorschläge parat, um die Krisenanfälligkeit Deutschlands zu minimieren.  So räumt der FDP-Fraktionsvize Volker Wissing zwar ein, dass Exportstärke stets auch eine Form der Abhängigkeit sei. „Allerdings zeigt sie auch, dass Deutschland prinzipiell sehr wettbewerbsfähig ist“, sagte Wissing Handelsblatt Online. Wissings Rezept lautet daher: „Um die Krisenanfälligkeit Deutschlands zu reduzieren und die Binnenkonjunktur zu stärken, sollte die Opposition die Blockade der Steuersenkungen im Bundesrat aufgeben und zulassen, dass die Beschäftigten von dem Aufschwung profitieren.“

In der Union gibt man sich wenig überrascht über die IWF-Warnung, zumal der Fonds, wie CDU-Finanzexperte Klaus-Peter Flosbach sagt, genau die Fakten liefere, die Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrer Aussage bewogen hätten, dass Deutschlands Kräfte nicht unbegrenzt seien.  Eine Idee, was Deutschland tun könne, um Schlimmeres zu verhindern, hat Flosbach freilich nicht. Er versteht die IWF-Aussagen vielmehr als eine Mahnung an die Länder der Euro-Zone, die auf finanzielle Unterstützung aus Deutschland angewiesen seien oder sein könnten. „Die Krise wird nicht von Deutschland gelöst, sondern von diesen Ländern“, sagte Flosbach Handelsblatt Online. Dort bestehe der größte Bedarf an Haushaltskonsolidierungen und Strukturreformen, um auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurück zu gelangen. „Wenn sie diese Reformen nicht durchziehen, sägen sie den Ast ab, auf dem sie sitzen“, warnte der CDU-Politiker. „Und der Fall danach wird sicherlich deutlich schmerzhafter, als alle Reformen, die sie jetzt umsetzen müssen.“

Kommentare zu " Euro-Schuldenkrise: Krisen-Virus bedroht Deutschland"

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  • Ja, bei den Franzosen ist die Stimmung trotz des gigantischen Defizits noch bombig. Aber die Franzosen nehmen halt alles nicht so ernst, deshalb macht es ihnen auch gar nichts aus, mit den stolzen Spaniern und den tollen Italienern die deutsche Kanzlerin zu erpressen! Ein bißchen Spaß muss sein - und wenn dann eine Deutsche Kanzlerin auf deren Show hereinfällt, .... umso besser für sie. Dann gibt es wieder etwas zum Nachverhandeln!

  • @mha

    Mit Verlaub, aber ohne konkrete Zahlen, nützt mir ihr Hinweis gar nichts

  • @matze

    matze kontrollier mal Deine Tastatur, das versteht man kaum noch, was Du da schreibst ;-))

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