Euro-Schwäche gibt Export Schwung
Binnennachfrage zieht offenbar an

Die deutschen Exporte haben im Mai deutlich angezogen, die Schwäche des Euro half dabei. Gleichzeitig legten die Importe kräftig zu. Allerdings macht sich die gestiegene Auslandsnachfrage nur langsam für die heimische Industrie bemerkbar: Sie hielt ihre Produktion im Mai konstant.

HB BERLIN. „Positiv auf die Exporte hat sich in den letzten Monaten die Entwicklung des Euro ausgewirkt“, erklärte am Freitag Anton Börner, der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). Die hohen Ölpreise dagegen belasteten die Unternehmen und trieben die Importrechnung kräftig nach oben. Daher dürfte der Außenhandel der Wirtschaft im Frühjahr kaum zu Wachstum verhelfen, so dass sogar ein leichter Rückgang des Bruttoinlandsprodukts droht. Längerfristig sehen die Experten die deutsche Wirtschaft jedoch auf dem Weg der Besserung. „Es geht weiter aufwärts, aber der Schwung fehlt“, resümierte Klaus Schrüfer von der SEB.

Die Exporte legten von April auf Mai um 3,8 % zu, die Importe aber sogar um fast sechs Prozent - Volkswirte werteten dies als Hinweis auf eine Stabilisierung der Binnennachfrage.

Dadurch sank der Überschuss in der Leistungsbilanz auf 5,2 von 7,2 Mrd. €. Ein positiver Beitrag zum Wirtschaftswachstum könnte nach Einschätzung des Postbank-Experten Brian Mandt von der heimischen Industrie kommen: „Für das zweite Quartal ist ein leichtes Plus bei der Produktion drin. Aber die Frage ist, ob das ausreichen würde, den möglicherweise negativen Außenbeitrag wettzumachen.“ Im Mai lag die Produktion zwar um 0,2 % unter dem April-Niveau. Volkswirte werteten dies jedoch als positives Signal, da sie nach dem deutlichen Anstieg im April mit einem stärkeren Minus gerechnet hatten. Im Zweimonatsvergleich April/Mai lag die Produktion ein Prozent über dem Niveau von Februar/März. Der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke, sah in den Zuwächsen in der Konsumgüterproduktion und im Baugewerbe einen Beleg dafür, dass die Inlandsnachfrage anzieht. „Die deutsche Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig.“

Die Industrieproduktion habe noch nicht vom günstigeren Eurokurs und der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit profitiert, erläuterte die Hypovereinsbank. Dies sei jedoch nur eine Frage der Zeit, da der Rückgang der Gemeinschaftswährung von 1,30 auf 1,22 Dollar im Mai bereits die Exporte und Auftragseingänge aus dem Ausland beflügelt habe. Die Industrie hatte fast drei Prozent mehr Aufträge verbucht, die Bestellungen aus dem Ausland waren sogar um fünf Prozent geklettert.

Deshalb haben sich die mittelfristigen Aussichten für die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Analysten insgesamt verbessert, auch wenn sie im zweiten Vierteljahr eine Stagnation oder sogar einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung erwarten. „Beim Blick auf die Auftragszahlen und auf die Stimmungsindikatoren deutet das für die kommenden Monate auf einen positiven Produktionstrend hin“, sagte Mandt. Die Experten setzen auch darauf, dass der Außenhandel längerfristig eine wichtige Stütze für die deutsche Wirtschaft bleibt. Gerd Hassel von der BHF Bank zeigte sich überzeugt: „Im dritten Quartal dürfte es dann wieder laufen.“

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