Euro-Zone
Kreditvergabe kommt zusehends in Gang

Trotz der straffen Geldpolitik der EZB zieht die Kreditvergabe in der Euro-Zone an. In Deutschland kommen die Firmen immer leichter an Kredite. Die Teuerung in der Euro-Zone verharrt jedoch auf einem hohen Niveau.
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Frankfurt/BerlinDas Kreditgeschäft in der Euro-Zone kommt trotz der strafferen Geldpolitik der EZB zusehends besser in Gang. Im Mai vergaben die Banken an Haushalte und Firmen 2,7 Prozent mehr Darlehen als im Vorjahr, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mitteilte.

Im April hatte es ein Plus von 2,6 Prozent gegeben. Die Kredite an Unternehmen legten im Monatsvergleich sogar um zehn Milliarden Euro zu, im April war die Gesamtsumme noch um zwei Milliarden Euro geschrumpft. „Es zeichnet sich eine Belebung ab, die mit einem erhöhten Kapitalbedarf der Firmen einhergeht“, meint Ökonom Nick Kounis von ABN Amro.

In Deutschland kommen die Firmen bereits immer leichter an Kredite. Im Juni ist nach einer Umfrage des Ifo-Instituts die Zahl der Unternehmen, die über eine restriktive Kreditvergabe klagen, um 0,4 Prozentpunkte auf 21,4 Prozent gesunken.

Die Teuerung in der Euro-Zone verharrt jedoch auf einem hohen Niveau und dürfte der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterhin Kopfschmerzen bereiten. Die Verbraucherpreise zogen im Juni um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an, wie das Statistikamt Eurostat nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Experten hatten mit einem Plus von 2,8 gerechnet, im Mai hatte die Inflationsrate bei 2,7 Prozent gelegen. Stabile Preise sieht die EZB mittelfristig bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Die Hüter des Euro haben im Kampf gegen die Inflation nach der Zinswende vom April nun für Juli eine weitere Erhöhung des Schlüsselzinses auf dann 1,5 Prozent fest ins Auge gefasst. Mit Blick auf die positive Entwicklung bei der Kreditvergabe dürfte sich nach Ansicht von Experten auch Spielraum dafür ergeben.

Allerdings erhöhte sich die für die Zinspolitik der EZB wichtige Geldmenge M3 im Mai um 2,4 Prozent und damit stärker als im Vormonat. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (März bis Mai) wuchs M3 nur um 2,2 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Die EZB achtet bei ihrer monetären Analyse besonders auf den gleitenden Dreimonatsschnitt von M3: Das jüngste Geldmengenwachstum ist nach Ansicht von Experten jedoch noch kein Grund zur Sorge, da die Zentralbank erst bei Werten von mehr als 4,5 Prozent mittelfristige Gefahren für die Preiswertstabilität heraufziehen sieht.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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