Euro-Zone: Sorge vor Deflation steigt

Euro-Zone
Sorge vor Deflation steigt

Die Inflation in der Euro-Zone ist im Dezember überraschend gesunken. Erst im Oktober erreichte sie den tiefsten Stand seit fast vier Jahren. Das setzt die EZB vor ihrer Sitzung am Donnerstag unter Druck.
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BrüsselDie Sorge vor einer Deflation in der Euro-Zone erhält neue Nahrung. Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember im Schnitt nur noch 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Teuerungsrate auf dem November-Niveau von 0,9 Prozent verharrt.

Im Oktober war sie mit 0,7 Prozent auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gefallen. Das löste Sorgen vor einem Preisverfall auf breiter Front aus, zumal die Unternehmen in Krisenstaaten wie Griechenland angesichts von Rezession und hoher Arbeitslosigkeit auch künftig kaum höhere Preise durchsetzen dürften. Die Sparpolitik und niedrige Lohnzuwächse haben in einigen Krisenländern sogar dazu geführt, dass die Preise sinken.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) senkte vor allem wegen der niedrigen Inflation im November ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent, um mit billigem Geld die Gefahr japanischer Verhältnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Japan litt in den 1990er-Jahren unter sinkenden Preisen und einer damit verbundenen schweren Rezession. Die Erwartung sinkender Preise ist nach Meinung der meisten Ökonomen Gift für die Wirtschaft. Sie führt in der Regel dazu, dass Unternehmen und Haushalte ihre Investitionen in die Zukunft verschieben. Das wiederum verschlechtert die Wirtschaftslage weiter – ein Teufelskreis.

Laut ihrem Mandat strebt die EZB eine stabile Preisentwicklung an. Darunter versteht sie nach eigener Definition eine Inflation von „unter, aber nahe zwei Prozent“. Je weiter sich die Preissteigerung von diesem Zielkorridor entfernt, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie handelt. Für 2014 rechnen die Währungshüter mit einer Teuerungsrate von 1,1 Prozent, die 2015 auf 1,3 Prozent steigen soll.

Überdurchschnittlich verteuerten sich im Dezember Lebensmittel, Alkohol und Tabak mit 1,8 Prozent, gefolgt von Dienstleistungen mit 1,0 Prozent. Dagegen stagnierten die Energiepreise im Vergleich zu November 2012, während sich Industriegüter um 0,2 Prozent verteuerten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • 1. Es herrscht Inflation.
    2. Kein Sparer und Gehaltsempfänger fürchtet Deflation. Sie wäre sogar wünschenswert.
    3. Dieser Propaganda-Artikel dient nur dazu die aktuelle, selbstzerstörerische Inflationspolitik zu rechtfertigen. Aktuell wird die "Adjusted Monetary Base" in den USA um 75 Mrd. USD pro Monat erhöht (Inflation). Durch die Kreditschöpfung im Teildeckungsbankensystem werden daraus rund 750 Mrd. USD pro Monat neues Geld.
    4. Geldwertstabilität bedeutet eine Inflationsrate von 0,0%.
    5. Von den Zentralbanken aus Geldwertstabilität definiert, bedeutet eine jährliche Inflation von 2%. Oder eine Vernichtung der Kaufkraft von Sparguthaben und Leistungen aus Sozialkassen um 50% alle 36 Jahre. Das ist legaler und erwünschter Betrug an den Bürgern.

  • Das kann ich nur bejahen. Sehen Sie sich mal die deutsche Gesundheitspolitik nach amerikanischem Vorbild an! Eine Katastrophe für alle gesetzlich versicherten Bürger. Schneller kann ein einstmals gut funtionierendes System nicht vor die Wand gefahren werden. Die Betreuung der Gesundheit gehört nicht in die Hände der Privatisierer und Abzocker, sie ist die Verpflichtung für die Bürger als Allgemeinverantwortung ohne Abzocker, Aktionäre und Absahner aus dem System, das ungeahnte Milliarden an Beiträgen erhält. Dieses Geld ist für die Gesundheit der Bürger da, und nicht für die Gewinne der Abzocker, die niemals zufrieden sein werden. Wo bleibt eine neue Politik für bürgernahes Begleiten der Bürger im System, das reichlich Geld bereit hält? Wann wird der Konzentrationswahnsinn der Absahner und der Ausverkauf der kommunalen Systeme endlich blockiert? Es ist fünf vor Zwölf! Viel muss sich ändern, wenn die Menschen wieder im Vordergrund stehen sollen. Alle alten Zöpfe müssen abgeschnitten werden.

  • @Freidenker_Real
    Dazu muss man zurück kehren. Dass das Wirtschaftssystem dem Menschen dient.
    Gegenwärtig ist es übrigens nicht so sehr das Wirtschaftssystem dass der Geldvermehrung dient (was auch gar nicht so verwerflich währe, würden mit diesem Geld allgemeinnützliche Werte geschaffen werden), sondern viel mehr die Weltfinanz die mit dem Geld neues Geld generiert ohne eben Werte zu schaffen. Viel mehr werden zur immerwehrenden Rettung dieses Systems immer mehr Werte vernichtet.

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