Euro-Zone
Teuerungsrate in Spanien sinkt unter null

In Spanien sind die Verbraucherpreise im März überraschend unter das Vorjahresniveau gefallen. Damit ist das von der Wirtschaftskrise hart getroffene südeuropäische Land der erste Mitgliedstaat der Euro-Zone, in dem die Jahresteuerung in der Krise unter die Null-Linie sinkt.

MADRID. Spanien verzeichnete im März als erstes Land der Eurozone sinkende Konsumentenpreise. Der harmonisierte Preisindex lag er im März um 0,1 Prozent unter dem gleichen Vorjahreszeitraum, so gab das Nationale Statistikinstitut INE gestern in einer vorläufigen Schätzung bekannt. Im Februar waren die Konsumentenpreise noch um 0,8 Prozent gestiegen.

Spanien hatte sich traditionell durch eine hohe Inflation ausgezeichnet, in den letzten Jahren lag die Rate im Schnitt sogar einen Prozentpunkt über dem europäischen Durchschnitt. Das lag nach Meinung von Experten zum einen daran, dass das Land stark von Energieimporten abhängig ist und in den letzten Jahren entsprechend sensibel auf die hohen Ölpreise reagierte. Zudem sind die Preise insbesondere im Dienstleistungssektor relativ höher als in anderen Ländern, da der Wettbewerb weniger ausgeprägt ist.

Wirtschaftsminister Pedro Solbes machte jetzt auch die im Vergleich zum Vorjahr stark gefallenen Energiepreise hauptverantwortlich für die negative Preisentwicklung. Zudem sorgen die schwere Rezession und insbesondere die hohe Arbeitslosigkeit, die in Spanien doppelt so hoch ausfällt wie im Rest der Europäischen Union, für einen starken Einbruch des Konsums. Anbieter reagieren darauf mit sinkenden Margen und Preisen. Eine detaillierte Analyse der Preisentwicklung im März wird das Statistikinstitut erst Mitte April bekannt geben.

Keine Gefahr bestehe, dass Spanien in die Deflation falle, erklärte Wirtschaftsstaatssekretär David Vegara. Von Deflation spricht man, wenn die Preise über einen langen Zeitraum fallen und die Wirtschaft lähmen, weil Konsumenten etwa ihre Kaufentscheidungen in Erwartung weiter fallender Preise aufschieben.

„Wir haben lediglich eine relativ lange, aber vorübergehende Phase von Daten, die einen substantiellen Rückgang der Energiepreise widerspiegeln“, so der spanische Staatssekretär. Nach Meinung von Vegara wird der Inflationsindex noch einige Monate, „sogar bis über den Sommer hinweg“, negativ bleiben.

Ökonom Jean-Michel Six von Standard & Poor‘s (S&P) sieht mittelfristig ein besonders hohes Deflationsrisiko in Ländern wie Großbritannien, Irland und Spanien, weil der Privatsektor dort besonders hoch verschuldet sei und der Prozess des „Herunterhebelns“ sich entsprechend über einen längeren Zeitraum hinziehen dürfte.

Allerdings sei Spanien weniger bedroht als Irland und Großbritannien, „weil die Nominallöhne in Spanien weniger flexibel sind, was die deflationären Effekte der Rezession lindern dürfte“, so S&P-Analyst Six.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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