Eurokrise
EZB lässt Kauf von Staatsanleihen unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihre Rundumversorgung für die Banken der Euro-Zone aufrecht und belässt den Leitzins erwartungsgemäß bei einem Prozent. Das Wirtschaftswachstum soll laut Prognose bei 1,6 bis 1,8 Prozent liegen. Der Kauf von Staatsanleihen verschuldeter Euro-Staaten läuft unverändert weiter.
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HB FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) beugt sich in einem Punkt dem Druck der Finanzmärkte und hält bis auf weiteres ihre Rundumversorgung für die Banken der Euro-Zone aufrecht. Eine großangelegte Rettungsaktion für klamme Euro-Länder soll es aber nicht geben. Notenbankchef Jean-Claude Trichet sagte am Donnerstag nach der regulären Zinssitzung des EZB-Rats in Frankfurt, entgegen der Planungen der EZB werde das drei Monate laufende Refinanzierungsgeschäft mit den Banken weiterhin per Vollzuteilung abgewickelt. Der Zinssatz werde gleitend festgelegt. Eigentlich hatte die EZB vorgehabt, ab 2011 ihren im Frühjahr wegen der Griechenland-Krise unterbrochenen Exit aus ihrer Politik des billigen Geldes fortzusetzen.

Norbert Braems von Sal. Oppenheim analysiert dazu: "Offensichtlich will die EZB die Märkte nicht weiter verunsichern. Deshalb wird sie auch in den kommenden Monaten den Liquiditätsbedarf der Banken voll decken. Die Exit-Strategie wird damit etwas aufgeschoben, um weitere Marktverwerfungen zu verhindern."

Für dieses Jahr rechnet die EZB mit einem etwas stärkeren Wachstum in der Euro-Zone als bislang vorhergesagt. Die Wirtschaft werde um 1,6 bis 1,8 Prozent zulegen und dabei weiter von der weltweiten konjunkturellen Erholung profitieren, sagte Trichet bei der Vorstellung der neuen Projektionen. Im September war noch ein Plus von 1,4 bis 1,8 Prozent vorhergesagt worden. Für 2011 erwarten die EZB-Ökonomen nunmehr ein Wirtschaftswachstum im Euroraum von 0,7 bis 2,1 Prozent (bislang: 0,5 bis 2,3 Prozent). Erstmals gab Trichet auch eine Prognose für 2012 ab: Demnach dürfte die Wirtschaft um 0,6 bis 2,8 Prozent zulegen.

Die Inflationserwartungen blieben fest verankert, sagte Trichet. Die Währungshüter erwarten für 2010 unverändert eine Teuerungsrate von 1,5 bis 1,7 Prozent. 2011 werde die Inflation bei 1,3 bis 2,3 Prozent (bislang: 1,2 bis 2,2 Prozent) liegen, 2012 bei 0,7 bis 2,3 Prozent. Die EZB sieht Preisstabilität bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Von der Politik lässt sich die EZB nicht zu einer Ausweitung ihrer Stützungsmaßnahmen drängen. Das im Mai aufgelegte Programm zum Kauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten wie Griechenland, Irland und Portugal laufe unverändert weiter, sagte Trichet. Er betonte, die Maßnahmen seien vorübergehend: "Wir werden damit fortfahren, dem Markt die Liquidität wieder zu entziehen." Eine Obergrenze für den Ankauf nannte er nicht.

Wenig überraschend, meint Analyst Michael Schubert von der Commerzbank: "Die Taktik der EZB ist es, nur bei einer Marktverzerrung einzugreifen. Das verbietet eine Ankündigung, wie groß das Programm ausfallen wird. Sie wird auf Marktverzerrungen reagieren: Werden sie größer, kauft sie mehr Staatsanleihen am Markt - und umgekehrt."

Nachdem Irland als erstes Euro-Land unter den Rettungsschirm von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds geschlüpft war, hatte der Druck auf die Währungshüter zugenommen, neue Milliarden in den Markt zu pumpen und in deutlich größerem Umfang als bisher Staatsanleihen auch von Wackelkandidaten wie Spanien zu kaufen.

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  • Man sollte nicht immer die USA als noch schlechteres beispiel anführen. Davon dass der Nachbar auch pleite ist, wird man selbst nicht finanzstärker.
    Die EZb und unsere Politiker werden es mit dieser Finanzpolitik noch dazu bringen, dass wir alle in den Staatsbankrott geraten. Auch Deutschland!!! Die Politik hätte schon längst einsehen müssen, dass der Euro der größte Fehler des Jahrtausends ist. Und zwar für alle europäischen Länder. Nehmer- wie Geberländer steuern immer stärker auf die totale Katastrophe zu.
    Der letzte macht das Licht aus!

  • Vollkommen richtig diese Entscheidung. Warum sollte die EZb stur an ihrer ursprünglichen Position festhalten, wenn die USA immer noch die größte Finanzmacht und auch Gb ständig eigene Anleihen kaufen. Der europäische Wirtschaftsraum ist sehr stark, aber Amerika kontrolliert noch immer die Finanzen, das hat die EZb bisher unterschätzt.
    Natürlich steigt die Gefahr der inflation, aber bei allen Wirtschaftsräumen in gleichem Maßen.
    inflation hat Nachteile, aber eben auch Vorteile. Man muss bei inflation nicht gleich an Hyperinflation denken, vor dem sich die Deutschen aus Erfahrung fürchten.

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