Euroland: Ex-EZB-Chefvolkswirt warnt Schuldensünder vor „Selbstmord“

Euroland
Ex-EZB-Chefvolkswirt warnt Schuldensünder vor „Selbstmord“

Was tun mit den Länder-Probfällen im Euro-Raum? Aus dem gemeinsamen Währungsgebiet rauswerfen? Sie zum Austritt drängen? Deutschland ist gegen ein solch rabiates Vorgehen – und erhält dabei die Unterstützung eines Spitzenökonomen.
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HB BERLIN. Der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hat in Bedrängnis geratene Staaten des Euroraums eindringlich vor einem Austritt aus der Währungszone gewarnt. „Das wäre politischer und wirtschaftlicher Selbstmord“, sagte Issing am Donnerstag auf einer Konferenz zur Zukunft des Euro in Berlin. Ein Austritt würde das Eingeständnis bedeuten, dass solche Staaten nicht in einer Währungsunion mit führenden Volkswirtschaften Europas mithalten könnten. Es gebe daher keinen vernünftigen Grund für ein Verlassen der Euro-Zone.

In der europäischen Schuldenkrise war die Diskussion aufgekommen, ob etwa Griechenland den Euro aufgeben sollte, um sich über eine Abwertung seiner Landeswährung Luft zu verschaffen. Diesen Weg hatte unter anderen der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, vorgeschlagen. Die europäischen Euro-Partner und der IWF bewahrten Griechenland jedoch vor der Pleite.

Der Chef des Euro-Rettungsschirms EFSF, Klaus Regling, unerterstütze die Forderung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach einem permanenten Krisenmechanismus für Probfälle im Euro-Raum. „Ein Krisenmechanismus ist nötig für extreme Notfälle, und zwar mit strenger Konditionalität“, sagte Regling am Donnerstag in Berlin. Ein solcher dauerhafter Mechanismus für Problem-Staaten müsse auch der private Sektor einbeziehen. Regling forderte als Folge der jüngsten Krisenfälle innerhalb der Euro-Zone zudem eine schärfere Anwendung der Stabilitätsregeln bei Defizitsündern. Sanktionen bei Verstößen müssen frühzeitiger ergriffen werden und schärfer ausfallen.

Regling wandte sich aber gegen Fundamentalkritik an der Europäischen Währungsunion und seine Regeln. „Die Europäische Währungsunion ist im Interesse sowohl der schwachen wie der starken Mitgliedsländer.“ Werden notwendige Änderungen vorgenommen, werde die Währungsunion besser funktionieren können als viele Kritiker es glaubten. Allerdings müsse vor allem auch die gemeinsame markoökonomische Aufsicht über die Entwicklungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten verbessert werden.

Kommentare zu " Euroland: Ex-EZB-Chefvolkswirt warnt Schuldensünder vor „Selbstmord“"

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  • Wird die Währungsunion in der jetzigen form beibehalten, werden früher oder später transferzahlungen an die schwachen Länder unvermeidbar. Oder eben massive inanspruchnahme der "Rettungspakete". Da braucht man es nicht verschweigen, daß Deutschland Milliarden zusätzlich überweisen muß. Das ist auch richtig, denn Deutschland läßt den anderen durch seine Export-um-jeden-Preis-Politik keine chance, den Export anzukurbeln und so arbeitsplätze zu schaffen. issing verschweigt die unangenehmen Folgen der deutschen Exportpolitik. es ist nicht einmal die halbe wahrheit, wenn er sagt, der euro sei zum allgemeinen Nutzen. Die entscheidende frage ist doch die: Wer zahlt die zeche ?

  • Habe issing intelligenter eingeschätzt. Er sollte wissen, dass bei Krisen wie dieser nur (sinnvoll) eine Währungsabwertung (und in diesem Fall zusätzlich auch ein Schulden-Hair-Cut) dem Land hilft. Das hat schon die Krise Anfang der 1930er hinsichtlich der zueiander fixierten Währungen (über Goldstandard) gezeigt. Und es soll mir keiner kommen mit "This time is different" ! Zu dem Argument kann man genügend bei Kenneth Rogoff nachlesen.

  • issing hat wohl Angst um unsere Exporte!

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