„Europa 2020“
EU-Wachstumsstrategie droht zu floppen

Die EU droht wichtige Ziele seiner Wachstumsstrategie „Europa 2020“ zu verfehlen. Das hat die Kommission eingeräumt. Vor allem bei der Schaffung von Arbeitsplätzen sieht es schlecht aus.
  • 4

BrüsselDer Erfolg von Europas Wachstumsstrategie „Europa 2020“ wird immer unwahrscheinlicher. Die darin formulierten Ziele werden – wenn überhaupt – nur teilweise erreicht. Das räumt inzwischen auch die EU-Kommission ein. „Auf einigen Gebieten entwickelt sich die Lage ganz gut, im Bildungswesen etwa. In anderen Bereichen sieht es hingegen schlecht aus, zum Beispiel bei der Beschäftigung“, sagte der für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen zuständige Vizekommissionschef, Jyrki Katainen, dem Handelsblatt: „Wie jeder weiß, sind die Herausforderungen bei der Senkung der Arbeitslosigkeit und der Schaffung neuer Jobs enorm.“ Bis zum Treffen der Staats- und Regierungschef im März kommenden Jahres will Katainen nun eine Halbzeitbilanz zur „Europa 2020“-Strategie vorlegen.

Auch im Bereich Forschung und Entwicklung gerät die Gemeinschaft gegenüber ihren im Jahr 2010 formulierten Zielen ins Hintertreffen. „Es gibt immer noch enorme Unterschiede in den Mitgliedstaaten. Manche Länder habe die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zurückgefahren“, sagte Katainen. Doch er nimmt auch die Wirtschaft in die Pflicht: „Mein Eindruck ist, dass angesichts der Krise vielerorts Unternehmen bei der Forschung Abstriche gemacht haben. Das macht es schwierig, das Ziel zu erreichen. Da müssen wir gegensteuern.“

Das Ziel, die Zahl der von Armut bedrohten Menschen bis 2020 um 20 Millionen zu reduzieren, ist nach Angabe von Diplomaten in Brüssel inzwischen in weite Ferne gerückt; die Zahl sei sogar noch um zehn Millionen Menschen gestiegen. „Ich möchte weder spekulieren, noch unserer Analyse vorgreifen“, sagte Kommissionsvize Katainen.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

Kommentare zu " „Europa 2020“: EU-Wachstumsstrategie droht zu floppen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das war klar. Es ist ein ideologisches Problem. Während der 50er bis 90er wurde in Europa hauptsächlich eine der Realwirtschaft verpflichtete Politik gemacht, und damit auch stärker Nachfrageorientiert. Wenn seit den 2000ern in Deutschland die Einkommen, und damit die Massenkaufkraft stagnierte und sogar gesunken ist, und dieses seit 2010 auf die ganze Eurozone ausgedehnt wurde, sinkt EU weit die Nachfrage und damit der Anreiz für Unternehmen zu investieren. Gleichzeitig wird mit immer stärkeren Produktivitätszuwächsen, wie der Online-Handel, Online-Banking, etc. mit immer weniger Arbeitskräften der gleiche oder gar gestiegene Umsatz gemacht, sinkt die Nachfrage nochmal, wegen gesunkener Einkommen ... und die EU-Politik glaubt weiterhin, es ist besser die Einkommen zu senken und überschüttet völlig unproduktive Wirtschaftsbereiche, wie den Finanzmarkt mit billigen Geld, das null zur Beschäftigung beiträgt, im Gegenteil enorm hohe Kosten verursacht und die Wirtschaft instabil ... völlig absurd.

  • Im Jahre 2000 gaben sich die Regierungschefs der EU das Ziel, in den nächsten zehn Jahren solle die EU der stärkste Wirtschaftsraum der Welt werden !

    Ging leider daneben, manche Mitgliedsländer nähern sich dem Status eines Entwicklungslandes.

    Dann gibt man sich 2010 die o.g. Ziele ... Folge, es wurden nicht weniger Arme, sonder 50 % mehr !

    Könnte es an der Kompentenz einer EU und deren Organisationen liegen ?

  • Ich erwarte den Erfolg von dieser EU-Wachstumsstrategie,
    daß am Ende das Ende der EU steht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%