Europäische Zentralbank
Asmussen hält Euro-Zweifel für dramatisch

Laut EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen preisen die Märkte das Auseinanderbrechen der Eurozone ein. Der Banker attestierte der Währung Glaubwürdigkeitsprobleme. Eine einheitliche Geldpolitik werde zunehmend erschwert.
  • 57

Hamburg, FrankfurtDas Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, hat dem Euro Glaubwürdigkeitsprobleme attestiert. „Die Märkte preisen ein Auseinanderbrechen des Euroraums ein“, sagte Asmussen laut Redetext am Montag in Hamburg. Solche Zweifel seien dramatisch. „Nur eine Währung, an deren Bestand es keinen Zweifel gibt, ist eine stabile Währung.“

Die offenen Worte des Top-Notenbankers beziehen sich auf die Risikoprämien, die von Investoren in Staatsanleihen verlangt werden. Die sogenannten „Spreads“ - also der Renditeabstand zu als ausfallsicher geltenden Papieren - spiegelten mittlerweile nicht mehr nur das Insolvenzrisiko einzelner Staaten wider, so Asmussen. Investoren sähen angesichts der unsicheren Zukunft der Eurozone „sogar ein Wechselkursrisiko, das es theoretisch in der Währungsunion nicht geben dürfte“.

Ein einheitliches Funktionieren der Geldpolitik im Euroraum sei zunehmend behindert - mit deutlichen Folgen auch für die Realwirtschaft. In den Euro-Ländern mit Hilfsprogrammen - Griechenland, Irland und Portugal - steigen seit Ende 2010 die Zinsen für Unternehmenskredite, obwohl die EZB die Zinsen für Zentralbankgeld niedrig halte. Ähnlich wie Asmussen hatte sich auch Notenbankchef Mario Draghi zuletzt wiederholt öffentlich geäußert.

Mit dem gestörten Transmissionsmechanismus der Geldpolitik haben die Währungshüter bereits in der Vergangenheit Eingriffe an den Anleihemärkten von Euro-Krisenländern begründet, die Kritiker als Staatsfinanzierung durch die elektronische Notenpresse bezeichnen. Zum geplanten neuen Anleihekaufprogramm der EZB gab Asmussen in seiner Hamburger Rede kaum Neues preis. Er betonte erneut, dass die Flankierung möglicher Interventionen durch die Rettungsfonds EFSF oder ESM und strikte Auflagen für Staaten zwingend seien.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Europäische Zentralbank: Asmussen hält Euro-Zweifel für dramatisch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn Asmussen spricht, versteht er sich selbst nicht - das ist bei dummschwätzenden Technokraten so. Asmussen , viel gelobt weil die Lobenden selbst nichts verstehen, hat nirgendwo gute bzw. ganze Arbeit geleistet. Ganze Arbeit zeigt er in seinem Verwirrspiel in der Oeconomie nur dummes Zeug von sich zu geben. Traurig.

  • Lieber Herr Asmussen, ich weiss, dass Sie Angst um Ihren hoch dotierten Job haben, wenn dieses Lügengebilde auffliegt, aber das berechtigt Sie, nicht, die Menschen, die Ihr Gehalt zahlen, derartig dreist anzulügen!

  • Asmussen ist rückgratloser Technokrat und Brandstifter, der sich nun als Retter präsentieren will, vermutlich, damit er seine Pension in EUR noch geniessen kann. Er ist Täter, nicht Opfer. siehe Bericht von Report München:
    http://www.youtube.com/watch?v=ht3ZFKvKkqI

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%