Europäische Zentralbank
EZB trommelt Banker für Bilanzprüfung zusammen

Die EZB hat Dutzende Manager von Banken aus der EU auf die bevorstehende Bilanzprüfung vorbereitet. Die Banken müssen sich dem „Bilanz-TÜV“ unterziehen, bevor die Notenbank die Aufsicht über gut 120 Banken übernimmt.
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FrankfurtDutzende Vorstandschefs von Banken aus Deutschland und anderen EU-Ländern haben am Mittwoch in Frankfurt erfahren, was ihren Häusern bei der Bilanzprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) bevorsteht. Mit dem zweieinhalb Stunden dauernden Treffen bereitete die EZB die Manager auf die umfassende Prüfung vor, der sich die Banken unterziehen müssen, bevor die Notenbank im Herbst 2014 die Aufsicht über gut 120 Banken aus den 18 Euro-Ländern übernimmt. Die öffentlichen Banken würden „alles tun, um die Bankenunion zum Erfolg zu machen“, sagte NordLB -Chef Gunter Dunkel. Er ist Präsident des Verbandes der Landes- und Förderbanken (VÖB), dem allein 14 der 24 deutschen Teilnehmer an dem „Bilanz-TÜV“ angehören.

„Erfolgreich waren wir, wenn unsere Investoren darauf vertrauen, dass in den Bilanzen der großen Banken in Europa keine Überraschungen verborgen sind und dass sie vernünftigen Stress-Szenarien widerstehen können“, sagte er. Der VÖB-Chef sprach aber von einem „ehrgeizigen Zeitplan“, den sich die EZB vorgenommen habe. Die Kriterien lobte er aber im Gespräch mit Reuters als „sehr vernünftig“, entscheidend sei aber die Umsetzung. Die Banker, unter ihnen Deutsche-Bank -Chef Jürgen Fitschen, hatten eineinhalb Stunden Zeit, um Fragen an EZB-Präsident Mario Draghi, dessen Stellvertreter Vitor Constancio und an den für die Bankenunion mit zuständigen Yves Mersch zu stellen.

Dunkel warnte die Notenbanker vor allem davor, im Umgang mit den kleineren Banken die gleichen Fehler zu machen wie die EU-Bankenaufsicht EBA beim ersten Stresstest vor zwei Jahren. Zahlreiche Teilnehmer an der Prüfung bilanzieren immer noch nach dem deutschen Bilanzstandard aus dem HGB. "Wir fordern, die (an den internationalen Standard) angepassten Daten mit besonderer Sorgfalt zu verwenden und zu interpretieren", sagte Dunkel. Die EBA hatte etwa bei den Landesbanken Helaba und NordLB die Staatshilfen nicht als Kapitalpuffer anerkannt.

Zu den nach HGB bilanzierenden Instituten gehört auch die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Deren Chef Herbert Pfennig sagte Reuters: „Die Herausforderung ist gigantisch für die Großen, aber noch mehr für die Kleinen.“ Mit Blick auf die Kapitalpuffer der in der Finanzkrise gebeutelten Apobank sagte er aber: „Wir sind frei von Sorgen.“

Das Treffen in der Frankfurter EZB-Zentrale war das erste von dreien, die die Notenbank organisiert hat. In der ersten Runde waren auch Bankvorstände aus Belgien, Zypern, Malta und Luxemburg an der Reihe. Die anderen Länder sind am 18. und 25. November dran. Doch das wird nicht die letzte Besprechung sein: „Wir tun im Aufbau- und Findungsprozess gut daran, uns so intensiv wie irgend möglich auszutauschen, damit die ganze Übung dann auch ein konsequentes, tragfähiges und zuverlässiges Bild des europäischen Bankensektor ergibt, ehe die EZB dann die Zuständigkeit übernimmt“, sagte BayernLB-Finanzvorstand Stephan Winkelmeier.

Noch sind die EZB und die nationalen Aufseher dabei, die Bilanzposten zu eruieren, auf die sie in den einzelnen Ländern besonders genau schauen wollen. Bei der Übung geht es um die Vereinheitlichung des Umgangs mit den Risiken in den Büchern, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. In Deutschland wollen die Aufseher etwa auf Schiffskredite und die Risiken eines plötzlichen Zinsanstiegs achten, in Spanien geht es mehr um private Wohnungsbaukredite, die von der Immobilienblase stark betroffen waren. Dem „Bilanz-TÜV“ folgt ein Stresstest, in dem die Banken ihre Widerstandesfähigkeit gegen Krisen unter Beweis stellen müssen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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