Europäische Zentralbank
Issing über Inflationserwartungen besorgt

Die Europäische Zentralbank (EZB) macht sich nach den Worten von Chefvolkswirt Otmar Issing über einen Anstieg der Inflationserwartungen im Euro-Raum Sorgen.

HB FRANKFURT. In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der finnischen Zeitung „Hufvudstadsbladet“ sagte Issing mit Blick auf den vom Ölpreisanstieg getriebenen Inflationsanstieg im September: „Das ist beunruhigend, weil die Erwartungen für die künftige Inflation vielleicht auf einem höheren Niveau bleiben könnten.“ Es sei wichtig, dass Finanzmärkte und Öffentlichkeit auf einen Rückgang der Teuerungsrate auf ein mit Preisstabilität vereinbares Niveau vertrauten. Die EZB hat ein Stabilitätsziel von knapp zwei Prozent, das wegen mehrerer äußerer Preisschocks im Jahresschnitt bisher nur 1999 auch erreicht wurde.

Die Zentralbank hatte vor Kurzem ihre Inflationswarnungen verstärkt und verdeutlicht, dass sie bei einem Übergreifen des Ölpreisanstiegs auf das gesamte Preisniveau die Zinsen erhöhen würde. Wegen der anfälligen Konjunktur zögern die Währungshüter aber noch mit diesem Schritt. Der vom Geldmarkt erwartete Termin dafür wurde inzwischen nach vorne gerückt auf März 2006. Der Leitzins liegt seit Juni 2003 auf dem Rekordtief von zwei Prozent.

Die Inflationsrate war im September auf 2,6 % von 2,2 % im August gestiegen. Die Energiepreise allein schnellten um eine Jahresrate von gut 15 % nach oben.

Die Risiken für die Preisstabilität seien offensichtlich gestiegen. „Wir betrachten das als sehr ernst“, sagte Issing und bekräftigte das Versprechen der Zentralbank zu „großer“ Wachsamkeit. Dies erfordere neben dem Ölpreis auch die stark gestiegene Geld- und Kreditmenge im Euro-Raum. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet habe zuletzt verdeutlicht, dass der EZB-Rat keine Zinssenkung in Betracht gezogen habe. „Das war ein klares Signal für die Richtung unserer Besorgnis.“

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