Europäische Zentralbank
Ratingagentur ruft EZB zu Hilfe

Die EZB belässt den Leitzins vorerst bei 1,5 Prozent. Die Zentralbank soll wegen der Turbulenzen an den Märkten wieder Staatsanleihen kaufen, fordert die Ratingagentur Standard & Poor's.
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Frankfurt/ParisDie Zinsen im Euro-Raum bleiben vorerst unverändert. Die Europäische Zentralbank legte am Donnerstag eine Zinspause ein und beließ den Leitzins wie erwartet bei 1,5 Prozent. Das teilte die Notenbank in Frankfurt mit. Der EZB-Rat hatte zuletzt die Zinsen im Juli um 0,25 Punkte angehoben. Volkswirte rechnen damit, dass der wichtigste Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld bis zum Jahresende noch einmal erhöht werden könnte. Dafür sprechen hohe Inflationsraten.

Schon Anfang des Jahres hatte die EZB damit begonnen, die Zinsen nach einer langen Niedrigzinsphase schrittweise anzuheben. Beobachter hatten damit gerechnet, dass die Zentralbank die Zinsen bis Ende des Jahres auf rund 1,75 Prozent anheben würde, um damit die Zeit der billigen Geldes nach der Finanzkrise zu beenden. Doch mit der Zinswende ist nun vorerst Schluss: Italien, Griechenland, Eurozone - zu viele Krisen beschäftigen die EZB. Zudem haben am Donnerstag bereits die Notenbanken in Japan und der Schweiz am Devisenmarkt interveniert, um den aufgewerteten Yen und Franken zu schwächen - auch das spricht gegen eine weitere Zinserhöhung in der Eurozone.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) verlangt wegen der Turbulenzen an den Anleihemärkten einen Eingriff der EZB in den Bondmarkt. „Wir brauchen jemanden, der interveniert“, sagte der Chefökonom für Europa der Ratingagentur, Jean-Michel Six, am Donnerstag dem französischen Radiosender „Inter radio“. „Der einzige Feuerwehrmann, der uns schnell aus dem brennenden Haus tragen kann, ist die EZB, die seit Beginn der Krise bei der Beruhigung der Märkte eine bewundernswerte Rolle gespielt hat.“  

Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet darüber am frühen Nachmittag. Zuletzt waren wiederholt Forderungen laut geworden, die Währungshüter sollten wieder Staatsanleihen europäischer Schuldenländer kaufen. Eine Entscheidung wird mit Spannung erwartet. Am Anleihemarkt geraten derzeit Spanien und Italien immer stärker unter Druck.

Das Argument der Befürworter: Nur die Zentralbank mit ihrer theoretisch unbegrenzten finanziellen Feuerkraft sei in der Lage, entsprechend stark als Käufer aufzutreten und so die Märkte wieder zu beruhigen. Kritiker wie Deutschland sperren sich jedoch gegen weitere Staatsanleihenkäufe. Die EZB hat seit Mai 2010 für gut 74 Milliarden Euro Staatsanleihen von Schuldenländern gekauft. Seit 18 Wochen ruht das entsprechende Programm nun allerdings.  

Die EZB steht dennoch unter Druck: Zwar vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder vorvergangene Woche, dass in Zukunft der Euro-Rettungsschirm EFSF im Notfall Staatsanleihen kaufen darf. Diese Aufgabenerweiterung muss jedoch in mehreren Ländern noch von den Parlamenten genehmigt werden. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, kann nur die EZB am Markt aktiv werden.

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Japan und die Schweiz haben bereits vorgelegt

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  • Absolut richtig! Der Barroso ist inzwischen gemeingefährlich; wird sein Ansinnen doch nur zu offensichtlich: alle sollen ganz schnell ja sagen zum ESM, und nicht auf Einwände der Parlamente hören. Leute, da stinkt was ganz gewaltig. Und alle Politiker, die da ohne Sinn und Verstand mitmachen, begehen Hochverrat.

  • Ich bin ja schon froh, dass die EZB die Zinsen nicht wie im August 2008 angehoben hat. Da waren diese meist Volkswirte, von den die meisten sich ein Leben lang nicht von ihrem schematischen Modelldenken befreien können, in ihre "Leerbücher" vertieft und kamen zu der Erkenntnis, dass die steigenden Benzinpreise (wie auch zur Zeit inflationstreibend)nur mit einer Leitzinserhöhung zu stoppen sind. Wie diverse Bankanalysten, sog. Sachverständige oder "Wirtschaftswaisen" usw. haben die EZB-Herren nicht gemerkt, was sich da draußen an den Märkten zusammenbraute. Stand ja nicht in den "Leerbüchern". Und dann kam er, der Schwarze Schwan!

  • NEIN! Ich war es NICHT!
    Wer die österreichische Schule der Nationalökonomie versteht, der hat es schon lange begriffen!

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