Europäischer Geldmarkt
EZB-Berater sind besorgt über Zinsanstieg

Berater der Europäischen Zentralbank sorgen sich über den schnellen Anstieg der Zinssätze am europäischen Geldmarkt. Die zu schnelle Normalisierung des Referenzzinssatzes ist manchen ein Dorn im Auge.
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FrankfurtEine einflussreiche Beratergruppe der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich besorgt über den schnellen Anstieg der Zinssätze am europäischen Geldmarkt geäußert. Das geht aus einem Protokoll der jüngsten Sitzung der sogenannten Geldmarkt-Kontaktgruppe hervor, der etwa 20 Händler großer Banken und einig EZB-Experten angehören.

„Manche Mitglieder der Gruppe erklärten, dass ihnen die zu schnelle 'Normalisierung' des (Referenzzinssatzes) EONIA angesichts der gegenwärtigen Lage am Markt in Bezug auf Funktion und Fragmentierung ein Dorn im Auge sei“, hieß es in dem Schriftstück, das auf der Internetseite der EZB veröffentlicht wurde. Auf dem Geldmarkt leihen sich Banken untereinander kurzfristig Geld.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt erklärt, die EZB werde gegebenenfalls handeln, sollte die von der Notenbank nicht beabsichtigte Erhöhung der Geldmarktzinsen und die damit einhergehende ungewollte Straffung der Geldpolitik „unvertretbar“ werden.

Denkbar sind dann massive Geldspritzen der Notenbank in das Finanzsystem, nach dem Vorbild der beiden je drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäfte, über die sie den Banken auf dem Höhepunkt der Krise Ende 2011/Anfang 2012 gut eine Billion Euro zugeführt hatte. Die schrittweise Rückzahlung dieses Geldes ist einer der Gründe für den jüngsten Anstieg der Zinsen auf dem für die Refinanzierung der Institute wichtigen Geldmarkt.

Die sogenannte Überschussliquidität - also das Geld, das die Banken übrig haben, zieht man unter anderem ihre Mindestreservepflicht bei der Notenbank ab - war zuletzt auf gut 170 Milliarden Euro gefallen. Mitte 2012 hatte sie noch bei 800 Milliarden Euro gelegen.

Sinkt die Liquidität steigt der Zins - es wird für die Institute damit teurer, sich frisches Geld bei anderen Banken zu besorgen. Eine andere Option für die EZB, um die Zinsen am Geldmarkt wieder deutlich tiefer als den Leitzins zu drücken, wäre ein negativer Einlagezins, also ein Strafzins für die Banken. Der Eonia-Satz lag am Dienstag bei rund 0,19 Prozent und damit etwas unter dem Leitzins von 0,25 Prozent. Die EZB entscheidet am 6. Februar das nächste Mal über ihren geldpolitischen Kurs.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Europäischer Geldmarkt: EZB-Berater sind besorgt über Zinsanstieg"

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  • Man wird schon ganz krank nur vom Lesen. Wann ist dieses verdammte Drama endlich zuende.

  • EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt erklärt, die EZB werde gegebenenfalls handeln, sollte die von der Notenbank nicht beabsichtigte Erhöhung der Geldmarktzinsen und die damit einhergehende ungewollte Straffung der Geldpolitik „unvertretbar“ werden

    unvertretbar

    Soso

    Der Eonia Zins hatte sich vom 09.01.2014 bis zum 20.01.2014 fast verdreifacht.

    Um welche Größenordnung handelt es sich hier überhaupt:
    09.01.2014 = 0,1560%
    20.01.2014 = 0,3590%
    27.01.2014 = 0,1880%

    So hoch steht der Euro Zone das Wasser schon.

    Somit kann sich jeder selbst ein Bild über die zukünftige Zinspolitik der EZB machen.

    Schönen Tag noch.

  • Wo sind sie denn, die höheren Zinsen? Wo laufen sie denn?
    Bitte melden, damit ich investieren kann!!!

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