Europas Nachfrageschwäche drückt den Warenverkehr – Afrika profitiert vom Ölboom
Hohe Rohstoffpreise dämpfen Wachstum des Welthandels

Das Wachstum des Welthandels wird sich in diesem Jahr abschwächen. Das schreibt die Welthandelsorganisation (WTO) in ihrem gestern veröffentlichten neuen Welthandelsbericht. Im Jahr 2004 war der internationale Waren- und Dienstleistungshandel noch um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – so stark wie seit vier Jahren nicht mehr.

HB DÜSSELDORF. Dieses Jahr aber trüben der hohe Ölpreis, Unsicherheiten in der Zinspolitik, die schleppende Konjunktur in einigen Regionen und Schwankungen der Wechselkurse, das Bild ein. Die Genfer Behörde erwartet für dieses Jahr nur noch einen Zuwachs um 6,5 Prozent.

Der internationale Handel wird zu einer immer wichtigeren Komponente der Weltwirtschaft. Immerhin stieg er im vergangenen Jahr um fünf Prozentpunkte mehr an als das weltweite Bruttosozialprodukt. Der scheidende Generaldirektor der WTO, Supachai Panitchpakdi, der sein Amt im September an den Franzosen Pascal Lamy abgibt, mahnt daher Fortschritte in der Welthandelsrunde an. „Bis August“, so schreibt er im Vorwort des Reports, „müssen die WTO-Mitglieder den Rahmen für klare Ergebnisse auf der Ministertagung der WTO im Dezember in Hongkong erarbeitet haben, damit die Doha-Runde 2006 abgeschlossen werden kann.“

Am dynamischsten entwickelte sich der Handel 2004 wie auch in den Jahren zuvor in Asien. Aber auch Lateinamerika und Afrika erlebten einen kräftigen Aufschwung dank gestiegener Rohstoffpreise. China löste Japan als drittstärkstes Exportland ab. In China, Südkorea und Singapur übertrafen die Exporte den Vorjahreswert um mehr als 20 Prozent, in Japan waren es immerhin noch elf. Asien als Ganzes kam auf 15 Prozent. Die realen Importe wuchsen dagegen nirgendwo sonst so schnell wie in Lateinamerika. Mit 18,5 Prozent hängte die Nachfrage der Südamerikaner sogar die der konsumfreudigen Asiaten ab. Venezuela und Argentinien führten 50 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen ein, in Brasilien und Chile waren es noch 20 Prozent. Auch Afrika erlebte einen starken Aufschwung, wobei die realen Importe mit plus 11 Prozent fast doppelt so stark anstiegen wie die Exporte.

In Afrika wie auch in den Staaten des Mittleren Ostens schlugen sich vor allem Preisbewegungen und veränderte Wechselkurse nieder. Neben dem gestiegenen Ölpreis machte sich hier auch die Dollar-schwäche deutlich bemerkbar. Dank der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen nahmen die Exporte Afrikas nominal um 31 Prozent zu, der Mittlere Osten registrierte eine Steigerungsrate von 26 Prozent. Profitieren konnten hauptsächlich die ölfördernden Staaten. Exporte aus Zimbabwe oder der Elfenbeinküste fielen zurück. Afrikas Exporteure liefern einem immer größeren Anteil ihrer Waren nach Asien und Nordamerika: Die USA und Japan nahmen an Bedeutung zu, während die Lieferungen nach Europa, dem wichtigsten Markt, an Dynamik einbüßten.

Der Importhunger der USA trieb das US–Handelsdefizit 2004 auf eine neue Rekordhöhe. Mit allen Regionen der Welt verzeichneten die USA einen Fehlbetrag. Dabei schlug der Asien-Handel sogar weniger zu Buche, als das Defizit mit Afrika oder dem Mittleren Osten.

Die Europäer tragen zwar mit 46 Prozent den größten Teil zum Welthandel bei, erhielten aber wegen der ausgeprägten Nachfrageschwäche die rote Laterne bei den weltweiten Importzuwächsen. Zwei Drittel der Wertsteigerungen von Europas Exporten geht zudem auf die Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar zurück.

Durch Europa zieht sich ein deutliches Handelsgefälle. Die osteuropäischen Staaten liegen beim Wachstum von Exporten und Importen deutlich über dem Weltdurchschnitt, während die westlichen nicht einmal den Schnitt schaffen. Deutschland steckt in einer Gruppe von Ländern, die beiden Extremen nicht zuneigt, sondern deutlich dynamischere Exporte als Importe aufweist. Das Gefälle erklärt die WTO zum einem mit dem Nachfrageüberhang bei der Integration der neuen EU-Staaten in die Gemeinschaft und mit dem Abbau von Handelsbarrieren in diesen Staaten.

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