Euroraum
Trichet: „Tempo der Talfahrt lässt nach“

Der Präsident der Europäische Zentralbank, Jean-Claude Trichet, sieht Anzeichen dafür, dass sich die Rezession im Euroraum abschwächt. Die wirtschaftliche Entwicklung werde in diesem Jahr voraussichtlich schwach bleiben, aber der Rückgang verlangsame sich erkennbar.
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HB FRANKFURT. Die eingeleiteten unkonventionellen Maßnahmen, wie die massive Ausweitung der den Banken zur Verfügung gestellten Geldmenge oder der Ankauf von Pfandbriefen wirkten. Trichet bekräftigte, dass diese schnell zurückgenommen würden, sobald sich die wirtschaftliche Lage bessere.

Nach Einschätzung Trichets arbeitet sich die Euro-Zone aus dem Tal der Tränen, dass im Winterhalbjahr durchschritten wurde, langsam aber sicher heraus. Das Tempo der Talfahrt lasse nach, fasste er die Einschätzung der EZB-Spitze und der Notenbankchefs der 16 Euroländer zusammen. „Obwohl die Unsicherheit noch immer sehr groß ist, gibt es zunehmend Signale, dass sich die weltweite Rezession abmildert.“

Zwar werde die Konjunktur in den verbleibenden Monaten des Jahres schwach bleiben, aber nicht so schwach wie noch im ersten Halbjahr. 2010 sei dann mit einer schrittweisen Erholung zu rechnen, bekräftigte Trichet frühere Aussagen. Auf Basis der vierteljährlichen EZB-Prognosen werde kommenden Monat aber eine bessere Analyse möglich sein. Von der Preisfront droht seiner Meinung nach ebenfalls keine Gefahr. Weder seien größere Inflationsrisiken auszumachen, noch drohe die Wirtschaft in eine Deflationsspirale sinkender Preise und sinkender Wirtschaftsaktivität abzugleiten.

Die Rede von Jean-Claude Trichet im Wortlaut

Volkswirte erwarten vor diesem Hintergrund, dass die EZB bis weit ins kommende Jahr hinein nicht an der Zinsschraube dreht und den Zins bei 1,0 Prozent belässt. Vor der EZB hatte die britische Notenbank am Mittag ihren Leitzins wie erwartet bei 0,5 Prozent belassen. Die Londoner Notenbanker erhöhten allerdings überraschend ihren für den Ankauf von Wertpapieren zur Verfügung stehenden Rahmen auf 175 Mrd. Pfund - 25 Mrd. mehr als die Regierung ihnen ursprünglich für den verstärkten Kampf gegen die Rezession und vor allem gegen eine Kreditklemme zugestanden hatte.

Für die Eurozone fürchtet Trichet nach wie vor keine solche Entwicklung. Der Rückgang der Kreditvergabe resultiere zum Teil aus dem Rückgang der Nachfrage nach Kredit durch die Firmen, die durch die Rezession getroffen würden und weniger Geld für neue Investitionen benötigten, sagte Trichet. Aber auch die Banken seien in der Pflicht, Geld zu verleihen. „Wir erwarten, dass die Maßnahmen der EZB angemessen in die Realwirtschaft übertragen werden.“ Die EZB habe nicht die Absicht, Banken zu ersetzen.

Das Sonderprogramm der EZB zur Stabilisierung der Pfandbrief-Märkte ist nach Angaben von Trichet erfolgreich gestartet. Bis Ende Juli hätten die Zentralbanken in der Euro-Zone gedeckte Schuldverschreibungen (Covered Bonds) wie zum Beispiel Pfandbriefe im Wert von rund fünf Milliarden Euro aufgekauft. Für das bis Mitte 2010 laufende Programm stehen insgesamt 60 Milliarden Euro zur Verfügung. Gedeckte Schuldverschreibungen werden von Banken herausgegeben, als zusätzliche Sicherheit müssen zum Beispiel Immobilienkredite oder Staatsanleihen hinterlegt werden.

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