Eurozone
Industrieaufträge sinken überraschend weiter

In der Eurozone haben die Industrieaufträge im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent nachgegeben. Analysten hatten mit einem Zuwachs gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr fielen die Auftragseingänge um mehr als 30 Prozent.

LUXEMBURG. Volkswirte hatten auf Monatssicht einen Zuwachs von 1,8 Prozent erwartet. Zugleich revidierte die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg den Vormonatswert nach oben. So sind die Aufträge im April nicht wie zunächst gemeldet um 0,8 Prozent gesunken, sondern nur um 0,7 Prozent.

Auf Jahressicht gingen die Auftragseingänge im Mai ebenfalls unerwartet stark zurück: Der jährliche Rückgang betrug 30,1 Prozent, nach revidiert 35,3 (bisher 35,2) Prozent im Vormonat. Volkswirte hatten für Mai mit einem deutlich geringeren Rückgang um 27,9 Prozent im Jahresvergleich gerechnet.

In Deutschland entspannte sich unterdessen seit Monatsbeginn die Lage in dem von der Wirtschaftskrise arg gebeutelten Maschinenbau. „Die Talsohle ist erreicht, die schweren Einbrüche der vergangenen Monate werden nun aufhören“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Hannes Hesse, der „Welt“. Es seien viele Projekte angelaufen, die nur noch nicht in den Zahlen stünden, begründete er die Entwicklung. Derzeit dauere es deutlich länger, bis die endgültige Finanzierung stehe. „Die Banken verzögern Aufträge“, erneuerte er seine Kritik an den Kreditinstituten.

Noch vor drei Wochen, bei der Bekanntgabe der Auftragszahlen für Mai, hatte Hesse nicht von einer Wende sprechen wollen, allerdings die Hoffnung auf eine baldige Besserung geschürt. Die Bestellungen hatten sich zuletzt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbiert.

Auf die Unternehmen und deren Beschäftigte sieht Hesse die schwere Zeit erst noch zukommen, da die stützenden Aufträge aus der Boomzeit zwischenzeitlich abgearbeitet wurden. „Die Kurzarbeit wird in den kommenden Wochen stark zunehmen“. Der VDMA hält es für möglich, dass bald vier von fünf Betrieben kurzarbeiten. Die derzeitige Zahl der Kurzarbeiter sieht Hesse bei deutlich über den zuletzt von der Bundesagentur für Arbeit ausgewiesenen 168 000 liegen.

Mit knapp einer Million Beschäftigten zählt der deutsche Maschinenbau zu den wichtigsten Industriezweigen des Landes und zu den größten Arbeitgebern. Die Branche hat einen fünf Jahre andauernden Boom hinter sich, seit einem Jahr gehen die Aufträge aber kontinuierlich zurück. Mit einer Pleitewelle rechnet der Verband zwar nicht. „Es wird aber Übernahmen und Fusionen geben“, prophezeite Hesse.

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