Ewald Nowotny
Österreichs Notenbankchef warnt vor zu stressigem Stresstest

Europas Banken müssen bald beweisen, wie stabil sie wirklich sind. Dabei will die EZB diesmal mit einem härteren Stresstest den Geldhäusern auf den Zahn fühlen. Der Chef der Österreichischen Notenbank sieht das kritisch.
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BerlinÖsterreichs Notenbankchef Ewald Nowotny warnt vor einem zu hartem Vorgehen beim aktuellen Banken-Stresstest. „Der Test wird sehr streng, vielleicht sogar zu streng“, sagte Nowotny der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe) laut Vorabbericht. „Meine Befürchtung ist, dass die EZB in dem Ehrgeiz, es besonders gut machen zu wollen, sehr weit über das hinausgeht, was die USA gemacht haben. Das kann zu Übertreibungen führen.“ Der Chef der Oesterreichischen Notenbank (OeNB) ergänzte, in den internen Diskussionen beobachte er, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei Ermessensentscheidungen grundsätzlich die schärferen Regeln anwende. Für die österreichischen Banken sieht er jedoch keine Probleme, es gebe „keine Wackelkandidaten“.

Nowotny verteidigte die Niedrigzinspolitik der EZB. Die negative Auswirkung der niedrigen Zinsen auf die Ersparnisse würde überschätzt. „Die Menschen sitzen einer Illusion auf. Sie bekamen zwar früher höhere Einlagenzinsen, aber die Inflationsraten waren viel höher“, sagte er.

Den Spekulationen über mögliche Staatsanleihe-Käufe durch EZB erteilte Nowotny eine klare Absage. „Die EZB wird sich nicht vom Diktat der Märkte führen lassen. Es ist nicht sinnvoll, irgendwelche Phantomdiskussionen zu führen“, sagte das EZB-Ratsmitglied.

Der umstrittene Schuldenschnitt, den Österreich per Gesetz in der vergangenen Woche der Problembank Hypo Alpe Adria verordnet hat, destabilisiere den heimischen Finanzplatz nicht, sagte Nowotny. Die OeNB stehe hinter dem Vorgehen der Regierung. Der Schuldenschnitt beziehe sich nur auf einen sehr kleinen, speziellen Teil der Gläubiger. „Die prinzipielle Bereitschaft Österreichs, zu Garantien zu stehen, ist nicht infrage gestellt.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „Die Menschen sitzen einer Illusion auf. Sie bekamen zwar früher höhere Einlagenzinsen, aber die Inflationsraten waren viel höher“

    Ein Tipp an das Handelsblatt: Zaubern sie doch mal eine Statistik über die Entwicklung der Realzinsen vor und dnach dem Euro aus dem Hut. So undifferenziert stimmt die Aussage glaube ich nicht.

    Letztlich habe ich auch abgesehen von der risikoverschlernden Marktverzerrung an sich kein Problem mit niedrigen Zinsen. Wenn in einer gesättigten Wirtschaft wenig Wachstumsgewinn zu verteilen ist, ist eine über die Risikoprämie(mittlere Kreditausfallrate hinaus leigendes leistungsloses Einkommen nicht zu rechtfertigen. Problematisch finde ich vor allem die die ständigen Bilionentender mit denen die Geldmenge über das realwirtschaftlich benötigte Maß hinaus aufgeblasen wird und im Gegenzug faule Staats- und Unternehmensanleihen als Sicherheit oder sogar aufgekauft in die Bücher genommen und auf diese Weise individuelle Kreditrisiken sozialisiert werden.

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