Experimente auf der Insel: Von den Briten lernen heißt sparen lernen

Experimente auf der Insel
Von den Briten lernen heißt sparen lernen

Premier David Cameron will um jeden Preis verhindern, dass Großbritannien pleitegeht. Nun vollzieht er mit einem radikalen Sparkurs ein gewagtes Experiment. Deutschland und andere verschuldete Länder könnten daraus lernen.
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LONDON. Die alte Lagerhalle hinter den Schuppen, die mit dem dünnen Blechdach, gehört die auch zur Schule? Der Schuldirektor nickt. "Das ist aber keine Lagerhalle", sagt er. "Das da, das ist unsere Turnhalle. Im Sommer ist es dort brüllend heiß, im Winter unerträglich kalt." Schulleiter William Branney holt tief Luft. "Unsere Sportanlagen sind eine Schande. Eine absolute Schande."

Ändern wird sich daran in den nächsten Jahren nichts. Auch die kommenden Schülergenerationen der Stuart Bathurst High School in den West-Midlands, einer der sozial schwächsten Regionen Englands, werden in dieser tristen Halle turnen, laufen, Fußball spielen.

David Cameron, der neue britische Premier, will es so. Als eine seiner ersten Amtshandlungen stoppte er ein Investitionsprogramm für marode Schulen. Ersparnis: eine Milliarde Pfund. Für die Stuart Bathurst High School bedeutet das: zehn Millionen Pfund, die sie davon nun doch nicht bekommt.

In kaum einem Industrieland ist die Staatsverschuldung in der Finanzkrise so drastisch angestiegen wie in Großbritannien. In vier Jahren schoss sie von 47 Prozent hoch auf 82 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2009 und 2010 summiert sich die Neuverschuldung auf jeweils zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Staatseinfluss in der Wirtschaft ist heute größer als in Deutschland.

"Wir haben weit über unsere Verhältnisse gelebt", sagt Cameron. Er fürchtet um das tadellose Kreditrating seines Landes. Die Folgen wären nicht auszudenken: Chaos auf den Finanzmärkten, explodierende Zinsen, im Extremfall sogar die Zahlungsunfähigkeit.

Nun will der Regierungschef um jeden Preis verhindern, dass Großbritannien zum zweiten Griechenland wird: "Griechenland ist eine Warnung für Regierungen, die so tun, als könnte man sich um Probleme und schwierige Entscheidungen herumdrücken", sagt er. So ist Griechenland für ihn Konsequenz und Rechtfertigung für die radikalste Wirtschaftspolitik, die sein Land je gesehen hat. Sie ist radikaler als das, was Margaret Thatcher getan hat.

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  • Thatchers Sparkurs, der seinerzeit im Wesentlichen nur die arbeitenden Menschen traf hat also zu nichts geführt, ist erbärmlich gescheitert.
    UK steht wieder so da, wie vor Thatcher.
    Die Schlüsse die daraus gezogen werden sind wiederum die falschen: Wieder wird nur beim kleinen Mann gespart, die Reichen bleiben außen vor. Dieses Spiel wiederholt sich solange, bis sich die Menschen mit nichtfriedlichen Menschen zur Wehr setzen.
    Was können wir daraus lernen. Auch die deutsche Marionetten-Regierung der Wirtschaft wird das arbeitende Volk solange ausquetschen bis wir uns gegen diese korrupte Mafia wehren.
    Die Gesetzgebung, die wie bei dem jüngsten Ausgabensteigerungsgesetz der Pharmabranche ja schon die Gesetzentwürfe des Pharmakartells übernehmen zeigen die mafiosen Zusammenhänge in berlin. Mit Demokratie hat dies nichts mehr gemein.

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