Experten erwarten weiteren Zinsschritt
Zentralbank bleibt auf Erhöhungskurs

Der Leitzins im Euro-Raum ist nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auch nach der jüngsten Erhöhung noch niedrig. Die Geldpolitik fördere damit weiter das Wachstum.

HB FRANKFURT. Die EZB hob am Donnerstag den Schlüsselzins für die Bankenrefinanzierung wie an den Finanzmärkten erwartet zum sechsten Mal binnen eines Jahres um 25 Basispunkte auf 3,5 Prozent an. Trichet begründete den Schritt mit der anhaltenden Inflationsgefahr im Euro-Raum. Mit Blick auf die weitere Zinspolitik sagte Trichet, die Geldpolitik sei noch immer akkommodierend, also der Konjunktur noch förderlich. „Es ist geboten, entschieden und rechtzeitig zu handeln, um die Preisstabilität zu gewährleisten.“ Der EZB-Rat werde deshalb alle Entwicklungen „sehr genau beobachten“, um die Preisstabilität zu sichern und seine Beschlüsse über die Zinsen treffen, wie es für notwendig gehalten werde. Die Inflation werde in den kommenden beiden Jahren um zwei Prozent liegen, während das Wachstum robust bleibe. Es gebe weiter Inflationsrisiken.

Trichet signalisierte damit weiterere Zinserhöhungen, ließ aber den Zeitpunkt dafür offen. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit der zuletzt von Reuters befragten Bankenvolkswirte erwartet auch einen weiteren Zinsschritt auf 3,75 Prozent bis März 2007.

Die EZB hat binnen eines Jahres die Kreditvergabe an die Banken um insgesamt 1,5 Prozentpunkte verteuert. Die Zentralbank will den Preisanstieg dauerhaft auf knapp zwei Prozent drücken. Der starke Anstieg des Ölpreises der vergangenen beiden Jahre hielt die Teuerung lange über dieser Schwelle. Dank des Energiepreisrückgangs im Sommer liegt die Inflationsrate seit September mit 1,6 bis 1,8 Prozent im Zielkorridor der EZB. Doch die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland im Januar wird das Preisniveau um schätzungsweise 0,3 Prozentpunkte erhöhen. Öl könnte zudem wieder teurer werden.

Vor diesem Hintergrund befürchten die Währungshüter vor allem, dass die Löhne im Euro-Raum übermäßig steigen und die Preise damit zusätzlich nach oben treiben könnten. In Deutschland steuern die Gewerkschaften auf ein Ende ihrer langen Lohnzurückhaltung zu und kündigten bereits Forderungen nach kräftigeren Tariferhöhungen für 2007 an. In der Metallindustrie ist von fünf bis sieben Prozent die Rede. Dem Reallohnverlust der Arbeitnehmer der vergangenen Jahre stehen kräftig steigende Gewinne in vielen Branchen gegenüber, während die Wirtschaft 2006 mit zweieinhalb Prozent das stärkste Wachstum dieses Jahrzehnts erreicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%