Experten halten die Politik der Notenbanken weltweit für zu expansiv
Bankvolkswirte warnen vor Inflationsgefahren

Volkswirte führender Banken warnen vor den Folgen einer zu expansiven Geldpolitik. Sie sehen wachsende Inflationsgefahren und gehen davon aus, dass die Zeit niedriger Zinsen zu Ende geht. Das ist im Kern die Botschaft vom 8. Wirtschaftspolitischen Symposium der Herbert Giersch Stiftung zum Thema „Niedrige Zinsen – Für immer?“

FRANKFURT/M. Inwieweit die Notenbanken der Wirtschaft damit genutzt haben, dass sie weltweit die Zinsen durch ein Übermaß an Liquidität niedrig gehalten haben, muss sich nach Meinung der Volkswirte erst noch herausstellen.

Ob die Zinsen im aktuellen Zyklus tatsächlich als niedrig bezeichnet werden können, ist für Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, eine Frage des Vergleichszeitraums. Verglichen mit den letzten dreißig Jahren sei das zweifellos der Fall. Nehme man einen längeren Zeitraum in den Blick, lägen sie aber nur geringfügig unter den Durchschnittswerten. Gleichwohl muss man in Deutschland bis 1897 zurückgehen, um einen so niedrigen Kapitalmarktzins zu finden wie heute, erläuterte Kater. Auch die Notenbankzinsen seien in Deutschland in der Geschichte der Papierwährung nie niedriger gewesen.

Nach Ansicht von Joachim Fels, Chefvolkswirt Europa bei Morgan Stanley, hält die hohe Liquidität, die die Notenbanken seit Mitte der neunziger Jahre weltweit in die Märkte geben, die Zinsen künstlich niedrig. Fels erwartet jetzt steigende Inflationsraten in den USA. „Das wird den Kapitalmarktzins deutlich über fünf Prozent treiben“, sagte er. Davon könne sich der Euro-Raum nicht völlig abkoppeln. Der Kapitalmarktzins werde auf „deutlich über vier Prozent“ steigen.

Fels zieht Parallelen zwischen dem aktuellen Umfeld und den siebziger Jahren: die Kombination aus ölpreisbedingten negativen Angebotsschocks, steigendem Wettbewerb durch Indien und China sowie abnehmendem Produktivitätswachstum in den USA. In den siebziger Jahren habe das zu Stagflation geführt.

Auch für Kater sind die Notenbanken Treiber des niedrigen Zinsniveaus: „Ihr Verhalten war darauf ausgerichtet, Schockwellen des Platzens der Aktienblase von der Realwirtschaft fern zu halten. Was das für Folgen hat, werden wir in den nächsten Jahren noch sehen.“

Kater rechnet mit einem Anstieg der Inflationserwartungen in den nächsten zwei bis drei Jahren: „Die hohe Liquidität wird sich in höheren Inflationserwartungen niederschlagen, auch wenn der Zusammenhang temporär unterbrochen ist.“ Die Zinsen dürften aber weniger stark steigen als in den siebziger und achtziger Jahren. Zumindest bisher hätten die Notenbanken die Inflation glaubwürdig bekämpft.

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