Experten-Indikator
ZEW-Konjunkturerwartungen steigen überraschend

Erstmals seit April schätzen Börsenprofis die Konjunkturaussichten für Deutschland wieder positiver ein. Vor allem die neuen EZB-Pläne für Staatsanleihenkäufe heben die Stimmung – die Lage bleibt aber angespannt.
  • 7

Mannheim/BerlinNach den neuen EZB-Plänen für weitere Staatsanleihenkäufe schätzen Börsenprofis die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wieder deutlich positiver ein. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten kletterte im September überraschend deutlich um 7,3 auf minus 18,2 Punkte.

"Dies ist der erste Anstieg des Indikators nach vier Rückgängen in Folge", erklärte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 263 Analysten und Anlegern. Diese rechnen zwar weiter mit einer Konjunkturabkühlung, die aber "eher moderat ausfallen wird".

"Zu der Verbesserung des konjunkturellen Ausblicks dürfte die Ankündigung der Anleihekäufe seitens der Europäischen Zentralbank (EZB), so problematisch diese auch sind, beigetragen haben", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die EZB will unter bestimmten Bedingungen Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten wie Spanien in unbegrenzter Höhe kaufen, um so deren Zinskosten zu drücken und Zeit für Reformen zu gewinnen.

"Allerdings ist die Schuldenkrise noch nicht gelöst und die Konjunkturrisiken sind nach wie vor virulent", warnte Franz. Die Lage bewerteten die Börsenexperten so schlecht wie seit über zwei Jahren nicht mehr: Dieses Barometer fiel um 5,6 auf 12,6 Punkte und damit stärker als erwartet.

Ökonomen geben auch deshalb noch keine Entwarnung. Mit der EZB-Ankündigung sei ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und damit das Hauptrisiko für die deutsche Wirtschaftsentwicklung zwar deutlich geringer geworden, sagte Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. "Dennoch stagniert die deutsche Wirtschaft derzeit bestenfalls, eventuell schrumpft sie sogar leicht."

Die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet für das zweite Halbjahr eine leichte Rezession. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut beziffert das Rezessionsrisiko auf 30 Prozent. "Unser wirtschaftliches Wachstum verlangsamt sich", befürchtete auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt.

Zu schaffen macht der exportabhängigen Wirtschaft nicht nur die Rezession wichtiger Euro-Handelspartner, sondern auch die Konjunkturabkühlung in großen Schwellenländern wie China. "Die Exporteure und der Industriesektor werden weiter die Folgen der schwachen Konjunktur in der Euro-Zone und das maue Wachstum beim Welthandel spüren", sagte Aline Schuiling von ABM Amro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Experten-Indikator: ZEW-Konjunkturerwartungen steigen überraschend"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der kleine aber feine Unterschied ist der, das Sie für diese Zeilen im Ostblock binnen weniger Stunden im Gefängnis gesessen hätten.

  • Bis dato dachte ich die Herrschaften hätten nur Scheuklappen auf ... mittlerweile bin ich sicher es sind Blindenbrillen ...

  • @Sodener

    Genau so ist es. Von den DDR-Medien lernen, heißt siegen lernen! Um den Original-Spruch mal abzuwandeln. Die alten Stasi-Propaganda-Chefs sind gut in das BND-Netzwerk integriert worden. Die kleinen IMs haben sie gehenkt und von den "Großen" hat man gelernt. Denn immerhin konnte die DDR trotz Mangelwirtschaft die Bevölkerung lange Zeit ruhighalten. Und jetzt lesen wir wieder das Gegenteil von dem, was Realität ist. Schon komisch als gebürtiger Ossi zu erleben, dass man das hierim Westen inzwischen auch mit sich machen lässt. Auch diese ganze Meinungsmache und das ganze Schönreden in den Medien, dazu das Editieren und Löschen von Meinungen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gibt es nicht mehr. Eben alles, wie damals in DDR.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%