Experten sehen Gefahren für das Wachstum
Euro-Hoch alarmiert Wirtschaft

Der Euro ist am Mittwoch wegen der erwarteten Zinssenkung in den USA auf ein Allzeithoch gestiegen. Die Währung kostete zeitweise über 1,39 Dollar und damit so viel noch nie. Volkswirte und Wirtschaftsverbände erwarten, dass die deutsche Wirtschaft die Belastung durch den hohen Wechselkurs zunächst noch verkraftet. Bei einem weiteren Anstieg des Euros käme es nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung allerdings zu einer „kritischen Situation“.

doh/noh/sgr/som FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Gewinnmargen der Unternehmen litten schon jetzt unter der starken Gemeinschaftswährung, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben vom Industrie- und Handelskammertag. Der Branchenexperte des Münchener Ifo-Instituts, Gernot Nerb, sieht massive Probleme für die Konjunktur, wenn der Euro über 1,40 Dollar steigt. Schon ein Euro-Kurs von 1,40 Dollar „könnte im nächsten Jahr bis zu einem halben Prozentpunkt Wachstum kosten“, warnt Nerb.

Momentan spricht vieles für einen solchen Anstieg des Euros. Die Finanzmärkte rechnen damit, dass die US-Notenbank am Dienstag ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 4,75 Prozent senken wird und später weitere Senkungen folgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen hat ihren Leitzins von 4,0 Prozent zuletzt nicht verändert – und signalisiert, dass sie ihn eigentlich gerne erhöhen würde. Dies würde bedeuten, dass die Verzinsung von US-Anleihen weiter sänke. Bereits jetzt rentieren zweijährige US-Anleihen mit 3,89 Prozent niedriger als entsprechende Bundesanleihen. Bei zehnjährigen Anleihen ist der Zinsvorsprung der USA auf einen Viertelprozentpunkt geschrumpft. „Sind US-Anleihen nicht attraktiver als europäische Bonds, fließt nicht mehr genug Anlagekapital in die USA, um das dortige Außenhandelsdefizit zu finanzieren“, sagt Hans-Günther Redeker, Devisenexperte der Großbank BNP Paribas. „Es sei denn, amerikanische Wertpapiere werden billiger, das heißt, der Dollar wertet ab.“

Das historische Tief des Dollars im Jahr 1995 lag bei 1,35 DM, was einem Wechselkurs von 1,45 Dollar je Euro entspricht. Auch diese Marke könnte der Euro nach Einschätzung von Experten in nächster Zeit überwinden. Redeker schließt schon im ersten Quartal 2008 ein neues historisches Dollar-Tief nicht aus: „Reagiert die US-Notenbank zu langsam, um eine Rezession in den USA abzuwenden, ist ein Euro-Kurs von 1,52 Dollar durchaus denkbar.“ Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sagte dem Handelsblatt: „Sollte der Euro in den nächsten sechs Monaten weiter steigen, müssen viele ihre ohnehin zu optimistischen Wachstumsprognosen aus diesem Grund senken.“ Erreiche der Euro ein Niveau von 1,50 Dollar, läuteten die „Alarmglocken“. Der Bundesverband des Groß- und Außenhandels (BGA) geht davon aus, dass der Euro-Kurs im nächsten Jahr zumindest die Marke von 1,40 Dollar überwindet und die Ausfuhren auch deshalb nicht mehr so stark zulegen werden.

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