Experten sehen keine Gefahr für Konjunktur
Volkswirte erwarten weitere Zinserhöhungen

Volkswirte rechnen nicht damit, dass sich die Zinserhöhung der EZB stark auf die Konjunktur im Euroland auswirken wird. Zugleich zeigen sie sich erfreut darüber, dass sich die EZB auf weitere Zinsschritte ganz offensichtlich nicht festgelegt hat.

doh/HB DÜSSELDORF. „Dass der Euro in den vergangenen Monaten etwas nachgegeben hat, dürfte den Zinsschritt deutlich überlagern“, sagt Holger Schmieding, Europa-Volkswirt der Bank of America in London. Er rechne mit „überhaupt keinen Auswirkungen“ der EZB-Entscheidung auf die Konjunktur.

Dagegen hatten Regierungschefs, Verbände und Gewerkschaften die EZB vor einer Leitzinserhöhung gewarnt, weil sie befürchteten, der Konjunkturaufschwung werde beeinträchtigt. Die Notenbank hatte den Leitzins seit Juni 2003 unter anderem wegen der Konjunkturflaute unverändert bei 2,0 Prozent belassen.

Auch die deutschen Bankenverbände erwarten keine negativen Folgen für die konjunkturelle Entwicklung. Die Zinserhöhung berge kein Risiko für die wirtschaftliche Erholung in Deutschland und in der Europäischen Union, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB). Die Marktteilnehmer hätten die Zinsanhebung bereits voll eingepreist.

Trotz der Zinserhöhung werde die Geldpolitik auch im kommenden Jahr die Konjunktur stützen, urteilt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbank (BVR). Eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte ändere die fundamentale wirtschaftliche Lage nicht, erklärte der Bundesverband deutscher Banken (BdB). Während jedoch der BVR diesen Zinsschritt „als klares Signal für die Entschlossenheit der Geldpolitik" wertet, sich frühzeitig dem Inflationsdruck entgegenzustellen, könnte sich die Zinsanhebung aus BdB-Sicht „als verfrüht erweisen". Die EZB hätte noch etwas warten können, bis klarer erkennbar gewesen sei, ob die gegenwärtige wirtschaftliche Erholungstendenz tatsächlich eine Aufwärtsbewegung einleite. „Mit einer abwartenden Haltung wäre die Preisstabilität nicht gefährdet gewesen", sagte der geschäftsführende BdB-Vorstand Manfred Weber.

Was genau sind Leitzinsen? Und wie funktioniert die EZB? Lesen Sie es im neuen Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach - und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:
» Leitzinsen im Wirtschaftswiki.

Der VÖB hingegen sieht die EZB-Entscheidung „auf einem tragfähigen Fundament". Damit begleite die EZB die wirtschaftliche Erholung der Eurozone „adäquat". In den kommenden Monaten erwartet der VÖB keine weiteren Zinsschritte.

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