Experten überrascht: Einzelhandelsumsätze stärker als erwartet gestiegen

Experten überrascht
Einzelhandelsumsätze stärker als erwartet gestiegen

Die Umsätze der deutschen Einzelhändler sind im Januar deutlicher als erwartet gestiegen. Von Dezember auf Januar stieg der Umsatz nominal um 1,9 % und ohne Preisveränderungen (real) um 2,1 %, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

HB BERLIN. Von Dezember auf Januar verbuchten die Geschäfte 1,9 % mehr Umsatz in den Kassen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Ohne Preisveränderungen (real) stieg der Umsatz sogar um 2,1 %. Trotzdem erwarten Experten in den kommenden Monaten keinen starken Anstieg des Privatkonsums, auf den immerhin fast 60 % der Wirtschaftsleistung entfallen. Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit verhindere steigende Ausgaben der Verbraucher. Im Vergleich mit dem Januar des Vorjahres fiel der Rückgang der Umsätze nicht so stark aus wie erwartet: Nominal setzte die Branche 0,2 % und real 0,4 % weniger um.

Experten hatten ein reales Minus zum Vorjahr um 1,6 % und nur einen realen Umsatzanstieg zum Vormonat um 0,6 % erwartet. Im gesamten Jahr 2004 waren die Umsätze der Einzelhändler sowohl kassenmäßig als auch real um 1,6 % gesunken.

Nachdem sich die Umsätze im Weihnachtsgeschäft im November und Dezember entgegen der Erwartungen der Branchenverbände als schwach entpuppt hatten, sprachen Banken-Experten nun für den Januar von einer überfälligen Gegenbewegung. Ralph Solveen von der Commerzbank sagte, die Januar-Daten unterstützten die These, dass das erste Quartal vielleicht gar nicht so schlecht werde. Im vierten Quartal 2004 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 % gesunken, nachdem es im Sommer nur stagniert hatte.

Die Experten warnten aber, jetzt schon die Trendwende beim privaten Konsum auszurufen. „Dazu ist die Arbeitsmarktlage noch zu schwach“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Die Talsohle sei aber wahrscheinlich erreicht. Sie wies außerdem darauf hin, dass der Einzelhandelsumsatz nur ein Drittel des gesamten Privatkonsums ausmache: „Wir starten aber gut in das Jahr hinein“, fügte sie hinzu. Selbst wenn der Februar und März etwas schwächer ausfielen, gehe ihr Haus davon aus, dass der private Verbrauch im ersten Quartal im Plus sein werde.

Die einzelnen Zweige des Einzelhandels entwickelten sich im Januar sehr unterschiedlich: So verkauften Lebensmittelhändler real 0,6 % weniger als vor einem Jahr. Dagegen verbuchte der Textil-, Bekleidungs- und Schuhhandel ein reales Umsatzplus von 1,8 %. Mit Kosmetik sowie pharmazeutischen und medizinischen Produkten wurde sogar drei Prozent mehr Umsatz erzielt. Auch der Versandhandel setzte mehr ab. Weniger verkauften dagegen die Händler von Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf.

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