Experten unterstützen beschleunigtes Tempo bei Zinserhöhungen
EZB strafft die Geldpolitik

Schon im Mai könnte die Europäische Zentralbank (EZB) nach Ansicht der meisten Analysten erneut den Leitzins erhöhen. Der Satz könnte dann von 2,5 auf 3,0 Prozent steigen. Die Straffung der Geldpolitik findet bei Experten Anklang. Über das richtige Tempo herrscht allerdings Uneinigkeit.

FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Ansicht der meisten Analysten auf ihrer Pressekonferenz am kommenden Donnerstag eine neuerliche Zinserhöhung für Anfang Mai in Aussicht stellen. Erst Anfang März hatte die Notenbank ihren Leitzins auf 2,5 Prozent angehoben. „Wir erwarten, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag deutlich macht, dass er zufrieden damit ist, dass der Markt eine Zinserhöhung im Mai bereits eingepreist hat", sagte Neville Hill, EZB-Beobachter von Credit Suisse.

Nach nur weiteren zwei Monaten wird die EZB nach der Erwartung der meisten Analysten ihren Leitzins erneut auf dann drei Prozent anheben. Als die EZB im Dezember ihren Leitzins zum ersten Mal erhöht hatte, betonte EZB-Chef Trichet immer wieder, die EZB plane anders als die US-Notenbank keine Serie von Zinserhöhungen in schnellem Rhythmus. Die Amerikaner hatten ihren Leitzins etwa im Sechswochenrhythmus in fünfzehn direkt aufeinander folgenden Schritten von einem auf 4,75 Prozent erhöht.

In der Fachwelt kann die EZB auf breite Unterstützung für eine beschleunigte geldpolitischen Straffung setzen. Auf der jüngsten Sitzung des EZB-Schattenrats, ein Beobachtergremium, dem 18 prominente europäische Ökonomen angehören, sprachen sich sieben Mitglied dafür aus, dass die EZB bereits am Donnerstag ihren Leitzins erneut anhebt, drei weitere Mitglieder befürworteten eine lediglich kurze Pause im Zinserhöhungsreigen.

Die Mehrheit der Mitglieder des Expertengremiums ist der Ansicht, dass die neuen Konjunkturdaten so gut waren, dass die EZB nun gefahrlos die allgemein als sehr locker charakterisierte Geldpolitik straffen könne. Über das richtige Tempo herrscht allerdings Uneinigkeit.

„Der Aufschwung ist etabliert, deshalb sollte die Geldpolitik möglichst schnell auf neutral schalten“, meint Joachim Fels von Morgan Stanley. Ein neutrales Leitzinsniveau beziffert er mit drei bis 3,5 Prozent. Willem Buiter, Ökonomieprofessor an der London School of Economics, befürchtet, dass die extrem niedrigen Zinsen zu einer gravierenden Fehllenkung von Kapital führen könnten. „Die Zinsaufschläge für riskante Anlagen sind viel zu niedrig“, führte er als Beleg für seine These an.

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