Experten zum Rückgang Ifo-Index
Reaktionen der Volkswirte: Konjunktur dümpelt vor sich hin

Der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) ist im April auf 93,3 von zuvor 94,0 Punkten gesunken. Die befragten Unternehmen schätzten sowohl ihre gegenwärtige Lage als auch die Aussichten ungünstiger ein.

HB BERLIN. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten einen Rückgang des Ifo-Index auf 93,6 Punkte erwartet. Dabei hatten sie bei Lage und Erwartungen einen Rückgang vorhergesagt. Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Jörg Lüschow, WestLB: „Wir hatten sogar mit einem leichten Ifo-Anstieg gerechnet und dabei auf eine bessere Lage gesetzt. Dies ist nun eine gewisse Enttäuschung. Bei den Erwartungen hatte ich eine Stabilisierung erhofft, da zuletzt die Rohölpreise zurückgegangen waren. Es zeigt sich aber, dass es derzeit keine Entwarnung beim Rohöl gibt. So lange die Preise für Öl und andere Rohstoffe hoch bleiben, wird es keine durchgreifende Besserung der Erwartungen geben.

Von der Faustformel einer Trendwende beim Ifo, wenn er drei Mal hintereinander in die gleiche Richtung geht, müssen wir uns wohl verabschieden. In den vergangenen Jahren lief die Entwicklung zwischen Ifo und der realen Wirtschaft oft nicht mehr so parallel wie früher, vor allem bei den Erwartungen. Insgesamt haben wir in Deutschland einen untypischen Konjunkturzyklus mit extrem flachem Wachstumspfad.

Zuletzt hat man sich nicht getraut, das Wort Aufschwung in den Mund zu nehmen, jetzt sollte man aber auch nicht gleich von einem Abschwung reden. Die Konjunktur dümpelt einfach weiter vor sich hin. Das zweite Quartal wird eher nicht so gut werden wie das erste.“

Jürgen Michels, Citigroup: „Das ist insgesamt wie erwartet gekommen, allerdings sind die Erwartungen nun noch schwächer als vorher gedacht. Insgesamt zeigt dies, dass wir eine merkliche Abschwächung im zweiten Quartal haben. Wir gehen nur von einem Wachstum von 0,1 Prozent nach 0,6 Prozent im ersten Quartal aus. Positive Nachrichten sind sicherlich die Erholung im Einzelhandel und der erneute leichte Anstieg im Bau, was darauf hindeutet, dass die Inlandsnachfrage langsam zunimmt. Wir erwarten für das zweite Halbjahr eine moderate wirtschaftliche Erholung.

Die Faustformel mit drei Ifo-Rückgängen hintereinander würde ich jetzt als merkliche Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik werten. Aber das darf man nicht so interpretieren, dass wir in Richtung Rezession gehen, sondern eher in vorübergehende Stagnation.“

Ralph Solveen, Commerzbank: „Das Bild ist beim besten Willen nicht gut. Es zeigt an, dass die Konjunktur überhaupt nicht läuft. Das Ausland scheint weiter gut zu laufen, die Exporterwartungen sind ja noch gut. Dass die Wirtschaftsentwicklung nach einem guten ersten Quartal wieder deutlich schwächer wird, ist aber klar.

Die Hoffnung soll man nie aufgeben, aber richtig starke Anzeichen dafür, dass der private Verbrauch die Führung vom Export übernimmt, kann ich mir nicht vorstellen. Dafür, dass der Verbrauch richtig in Gang kommt, fehlen die Rahmenbedingungen. Das heißt, die Impulse können im Moment nur von außen kommen. Die Exporterwartungen sehen ja auch noch ganz gut aus.“

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