Expertenumfrage
Hohes Risiko für Rezession in den USA

Das Risiko, dass die Finanzkrise die gesamte US-Wirtschaft in die Krise stürzt, ist hoch. Dies ergab eine Umfrage des Handelsblatts unter renommierten Ökonomen. Staatliche Konjunkturprogramme lehnen die Experten allerdings ab - sowohl mit Blick auf die USA und erst Recht für Deutschland oder Europa.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. „Die Geldpolitik kann besser, schneller und effektiver auf Konjunkturschwankungen reagieren“, sagte Volker Wieland, Direktor des Center for Financial Studies in Frankfurt.

"Die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession liegt jetzt bei mehr als fünfzig Prozent", so Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank. In den Vereinigten Staaten bestehe die Gefahr, "dass Rückkopplungseffekte zwischen dem angeschlagenen Finanzsektor und der Realwirtschaft zu einer konjunkturellen Abwärtsspirale führen". Holger Schmieding, Chefvolkswirt Europa bei der Bank of America, betonte: "Das Risiko, dass die USA in den kommenden Monaten eine Rezession durchleben müssen, ist beträchtlich." Allerdings werde der Konjunktur-Einbruch wahrscheinlich "kurz und vergleichsweise milde" ausfallen.

In Deutschland und dem Rest der Euro-Zone Europa sind die Konjunkturrisiken nach Einschätzung der Experten dagegen geringer. "Die Auswirkungen auf das Wachstum in Europa dürften geringer sein als in den USA – vor allem, weil der Immobiliensektor in Europa sich bei weitem nicht so extrem entwickelt hat wie in den USA", sagt Wieland. Harald Uhlig, Professor für Makroökonomie an der University of Chicago, betonte: "Der europäische Konjunkturverlauf ist generell flach, daher würde mich eine Rezession wundern. Anämisches Wachstum wird allerdings weiterhin ein europäisches und insbesondere deutsches Problem bleiben."

Die US-Notenbank Fed hat nach Meinung der meisten befragten Experten bislang richtig auf die Krise reagiert. "Was wir über Finanzkrisen gelernt haben, ist vor allem das eine: Man muss schnell und entschlossen handeln, um die Folgen abzufedern", so Stefan Gerlach, Professor für Geldpolitik an der Universität Frankfurt.

Staatlichen Konjunkturprogrammen stehen die Volkswirte sowohl für die USA als auch für Europa skeptisch gegenüber. "Mir scheint die Idee eines Konjunktur-Pakets auf ziemlich angestaubten Theorien zu basieren. Man bekommt bestenfalls eine leichte Belebung hin, aber viel sollte man nicht erwarten", sagte Uhlig.

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