Export bleibt Stütze
Wirtschaftsdynamik verlagert sich auf das Inland

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) glaubt, dass sich im kommenden Jahr die Binnenwirtschaft deutlich besser entwickeln wird als der Export. Vor alle die Unternehmen werden investieren - und danach auch die Konsumenten meinen die Forscher.

HB BERLIN. Zwar schraubte das IWH in seinem am Montag veröffentlichten Konjunkturausblick für 2005 seine Erwartungen an das Wirtschaftswachstum auf 1,3 von bisher 1,5 % zurück. Zugleich stellten die Forscher aber fest: „Das Fundament der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland gewinnt an Breite.“ Die Exporte blieben zwar eine Stütze der Konjunktur, im Sog der schwächeren Dynamik der Weltwirtschaft verlören sie aber ihre tragende Rolle. Dafür verstärkten sich aber die Impulse von der Inlandsnachfrage, vor allem seitens der Unternehmensinvestitionen, aber später auch vom privaten Konsum.

Für das Jahr 2006 erwartet das IWH dann einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 %. Für das ablaufende Jahr rechnen die Forscher ebenfalls mit 1,7 % Wachstum. In ihrem gemeinsamen Herbstgutachten waren die führenden deutschen Forschungsinstitute für 2004 noch von einem BIP-Plus um 1,8 % ausgegangen. Vor einer Woche hatte bereits das RWI in Essen seine Prognose für 2005 auf 1,3 % abgesenkt. Das Kieler IfW erwartet sogar nur ein BIP-Plus von 0,8 %.

Um die unterschiedliche Zahl von Feiertagen bereinigt, geht das IWH von einem Anstieg des BIP 2005 auf 1,5 nach 1,2 % in diesem Jahr aus.

Die Exporte aus Deutschland, die bisher das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr allein getragen haben, waren im dritten Quartal gesunken. Das IWH rechnet damit, dass die Außenwirtschaft aber - trotz des starken Euro - wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren wird. So waren im Oktober die Ausfuhren zum Vormonat saisonbereinigt um 1,2 % gestiegen. Auch die vom Münchner Ifo-Institut ermittelten Exporterwartungen der Industrie blieben in den vorigen Monaten relativ stabil.

Andererseits hatten die Investitionen in Maschinen und Anlagen im dritten Quartal um 4,1 % kräftig angezogen. „Im Jahr 2005 hält der Umschwung bei den Ausrüstungsinvestitionen an“, zeigte sich das IWH gewiss. Die Unternehmen stießen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen, ihre Gewinnerwartungen hellten sich mit der Konsolidierung der Bilanzen und den gesunkenen Lohnstückkosten auf. „Die privaten Haushalte werden ihre Kaufzurückhaltung allerdings erst später aufgeben“, schrieb das IWH. Die Unsicherheiten über die Einkommensentwicklung würden aber mit der steigenden Transparenz über die Auswirkungen der Hartz-Reformen und des Gesundheitswesens abnehmen.

Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich 2005 dem IWH zufolge im Jahresverlauf leicht aufhellen. „Allerdings werden weitere Vollzeitarbeitsplätze verloren gehen, die Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor wird sich dagegen erhöhen.“ Den Forschern zufolge wird sich die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2005 aber noch einmal auf 10,5 % von 10,2 % in diesem Jahr erhöhen und erst 2006 auf 9,9 % sinken.

Im Detail erwartet das IWH einen Anstieg der privaten Konsumausgaben 2005 um 0,7 % und um 1,3 % im übernächsten Jahr, nachdem sie in diesem Jahr um 0,3 % gesunken sein dürften. Die Ausrüstungsinvestitionen sollten im nächsten Jahr um 4,3 % und im Jahr darauf um 4,6 % zulegen nach einem Zuwachs um 1,8 % in diesem Jahr. Für den Export sagen die Forscher ein Plus von knapp sechs Prozent 2005 und fünf Prozent 2006 voraus. Dieses Jahr dürften die Ausfuhren zum Vorjahr um knapp zehn Prozent zugelegt haben. Den Euro-Stabilitätspakt wird Deutschland wie in den drei Jahren zuvor auch 2005 mit einem gesamtstaatlichen Defizit von 3,5 % des BIP nicht einhalten, erwartet das IWH. 2006 dürfte das Defizit dann bei 2,3 % des BIP liegen und damit unter der EU-Grenze von 3,0 %.

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