Exporte
Auf Eis gelegt

Auf kaum einen Titel ist Deutschland so stolz - und kein anderer Titel macht Deutschland in der Krise so anfällig: der Titel des Exportweltmeisters. Weltweit bricht der Handel ein, Deutschland leidet darunter besonders stark. Wichtige Branchen schlagen Alarm.

DÜSSELDORF. Auf kaum einen Titel ist Deutschland so stolz - und kein anderer Titel macht Deutschland in der Krise so anfällig: der Titel des Exportweltmeisters. Sechs Mal hintereinander hat das Land die Trophäe ergattert - zuletzt nur knapp vor China, das sich in diesem Jahr anschickt, die Nummer eins zu werden.

Doch seit der weltweite Handel infolge der Wirtschaftskrise in atemberaubendem Tempo einbricht, hält sich die Freude über die Spitzenstellung in Grenzen. Denn überproportional betroffen von dieser Entwicklung sind jene Länder, die ihren Binnenkonsum jahrelang vernachlässigt und den Export hochgejubelt haben. Und auch da liegt die Bundesrepublik an erster Stelle. Fast die Hälfte seines Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Deutschland mit dem Export. In China liegt der Exportanteil deutlich unter 40 Prozent.

Maschinenbau: Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit in der deutschen Musterbranche: dem Maschinen- und Anlagenbau. Mit seiner starken Investitionsgüterindustrie ist Deutschland in den vergangenen Boomjahren zu einer Art Ausrüster für Schwellenländer geworden. Der Exportanteil liegt hier bei 76 Prozent. Einzelne Bereiche wie der Bau von Textilmaschinen, Walzwerken und Bergbaumaschinen erzielen sogar bis zu 90 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. "Je höher die Spezialisierung der Firma, desto höher der Exportanteil", sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA.

Entsprechend skeptisch reagieren die Unternehmen auf den weltweiten Konjunktureinbruch. Wiechers rechnet mit einem Umsatzminus von rund sieben Prozent. 2008 war es mit einem Volumen von 147 Mrd. Euro noch ein Plus von acht Prozent. Sorgen bereiten vor allem die Exporte nach Nordamerika, die bereits 2007 gesunken waren. Daneben gibt es aber Länder, in denen deutsche Maschinen weiterhin gefragt sind. Dazu zählt Wiechers China und die Opec-Staaten.

Elektroindustrie: Im Gegensatz zum Maschinenbau erwartet die zweite große Investitionsgüterbranche, die Elektroindustrie, für dieses Jahr immerhin eine Stagnation der Exporte. Der Chefvolkswirt des Branchenverbandes ZVEI, Andreas Gontermann, setzt darauf, dass die Schwellenländer wie Indien und China weiter wachsen.

Autoindustrie: Besonders dramatisch ist der Einbruch in der Autobranche. Auch hier gilt: Die weltweite Flaute trifft vor allem Deutschland. Von den 5,5 Mio. hier gebauten Fahrzeugen gingen im vergangenen Jahr 4,1 Mio. ins Ausland. Schon das war ein Minus von vier Prozent. Dieses Jahr sieht es noch schwärzer aus: Allein die Nachfrage auf Deutschlands wichtigstem Exportmarkt Großbritannien sank im Januar um 31 Prozent. "2009 wird ein schwieriges Exportjahr", sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA). In der Vergangenheit konnte der erhebliche Nachholbedarf in den großen Schwellenländern Verluste in Westeuropa und den USA kompensieren. Diese Zeiten sind vorbei. Der Automarkt in Brasilien und China brach zu Jahresbeginn acht Prozent ein, in Indien ging der Absatz sieben Prozent zurück. Insgesamt verkauften die heimischen Autobauer im Januar mit knapp 223 700 Autos 39 Prozent weniger Fahrzeuge im Ausland als noch im Januar 2008.

Chemieindustrie: Sehr in Mitleidenschaft geraten ist auch die Chemiebranche. Zwar musste sie sich bereits 1997 nach der Asienkrise und 2001 nach den Anschlägen in den USA auf schwierigere Auslandsmärkte einstellen. Doch dieses Mal ist es anders. "Dass Probleme in Amerika, Asien und Europa synchron auftreten, habe ich in über 30 Jahren nicht erlebt", sagte Jürgen Hambrecht, Chef des Weltmarktführers BASF kürzlich. Das bereitet handfeste Probleme, von denen kein Unternehmen der Chemie verschont bleibt.

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