Exporte belasten
Deutsche Wirtschaft schrumpft weiter

Trotz aller Anzeichen für eine anstehende Konjunkturbelebung hat Europas Wirtschaft bis zum Sommer noch in der Stagnation gesteckt. Deutschland rutschte mit einem weiteren leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal nach einer gängigen, aber umstrittenen Auslegung in die Rezession.

HB/dpa WIESBADEN/BRÜSSEL. Dank der erwarteten Erholung wird dort für das Gesamtjahr noch eine Null oder ein mageres Plus von 0,2 % erhofft. Auch die Bundesregierung räumte Risiken für ihre Wachstumsprognose von 0,75 % ein.

Das deutsche BIP schrumpfte im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres real um 0,1 %, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Im Jahresvergleich fiel die Wirtschaftsleistung um 0,6 %.

Der erneute BIP-Rückgang nach einem Minus von 0,2 % im ersten Quartal und einer roten Null zum Jahresende 2002 fachte die Diskussion darüber an, ob von einer Rezession zu sprechen sei. Vor allem im angelsächsischen Raum, aber auch auf EU-Ebene sprechen viele Ökonomen von einer Rezession, wenn das BIP in zwei Quartalen im Folge abnimmt. Die meisten Volkswirte in Deutschland halten den Begriff für jedoch falsch, um die Situation zu beschreiben, da die Zahlen nur äußerst knapp unter der Null-Linie lagen.

Im Euroland mit zwölf Mitgliedern sowie in der gesamten EU mit 15 Staaten stagnierte die Wirtschaft von April bis Ende Juni im Vergleich zu den drei Vormonaten mit einer Rate von 0,0 %. Am schlechtesten standen die Niederlande da. Das BIP verschlechterte sich dort im zweiten Quartal um 0,5 % nach minus 0,3 und minus 0,2 % in den Vorquartalen. In Italien schrumpfte die Wirtschaft gegenüber der Vorperiode mit einer stabilen Rate von minus 0,1 %.

Bis zum Jahresende ist in der Eurozone laut einer aktuellen Prognose der EU-Behörde nicht mehr mit einem deutlichen Aufschwung zu rechnen. Brüssel rechnet für das dritte Quartal mit einem Wachstum in der Spanne von 0,0 bis 0,4 %, für das vierte Quartal in der Spanne von 0,2 bis 0,6 %. Die Kommission ist allerdings für das Schlussquartal 2003 etwas optimistischer als noch vor zwei Monaten.

Der erneute Rückschlag für die deutsche Konjunktur im zweiten Quartal war allein auf außenwirtschaftliche Faktoren zurückzuführen. Die Exporte litten unter dem starken Euro, den Ausfällen in der Autoproduktion wegen der ostdeutschen Metallerstreiks und der schwachen Weltkonjunktur. Daher fiel der Rückgang der Ausfuhren weit stärker aus als die Abnahme der Importe. Der negativen Entwicklung im Außenhandel konnte die leichte Erhöhung der inländischen Nachfrage nichts entgegensetzen.

Die deutschen Wirtschaftsexperten sehen mehrheitlich keine Rezession. Der Leiter der DIW-Konjunkturabteilung, Gustav Horn, sprach von einer „lang anhaltenden Stagnation“. Nach der Definition des DIW kann von einer Rezession erst dann die Rede sein, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen um mindestens 0,5 % schrumpft. „Trotzdem ist eine so lang anhaltende Stagnation aber ein verheerendes Ergebnis.“

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sah Deutschland „rein technisch gesehen“ in einer Rezession und zeigte sich auch für das kommende Jahr skeptisch. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) räumte für die Regierungsprognose ein gewisses Risiko, „aber kein sehr großes“ ein. Die Regierung wolle vorerst weiterhin an der Schätzung festhalten.

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