Exportprobleme: Nippons Wirtschaft steht vor einer Rezession

Exportprobleme
Nippons Wirtschaft steht vor einer Rezession

Nach den Rezessionsängsten in den USA, fürchtet sich nun auch Japan vor der Krise. Ausgerechnet im Wirtschaftsmotor Export schwindet das Wachstum, zudem bremsen neue Gesetze die Entwicklung im Inland. Historisch gesehen ist eine Rezession jedoch ohnehin „überfällig“.

TOKIO. Japans Wirtschaft droht ein zeitweiliger Stillstand, nachdem neue Baugesetze die Nachfrage gedämpft haben. „Das Risiko einer Rezession nimmt zu“, schreiben Ökonomen der Investmentbank Goldman Sachs. Japans Exportwachstum – Hauptstütze der Wirtschaft – sei Ende vergangenen Jahres deutlich zurückgegangen. Ursache sei vor allem ein Nachfragerückgang aus den USA gewesen.

Goldman Sachs erwartet daher, dass die Industrieproduktion im Dezember 2007 und im Zeitraum Januar bis Februar ebenfalls schwächer wachsen wird: „Wir sagen voraus, dass die Produktionsdaten einen signifikanten Rückgang der Aufwärtsdynamik im Vergleich zum Vorquartal zeigen werden“, so die Experten. Zugleich steigt die Inflation: Japans Wirtschaft braucht zwar nach Jahren der Deflationsgefahr einerseits Preissteigerungen, doch mit Inflation als neuem Faktor nimmt der Spielraum der Geldpolitik für eine Zinssenkung ab.

Nach genau dieser Zinssenkung rufen erste Ökonomen aber bereits. „Für Januar 2007 sehen wir praktisch schon eine Rezession“, sagt Yuji Shimanka, Chef der Konjunkturabteilung der größten japanischen Bank Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG). Sieben der elf wichtigsten Indikatoren seien zuletzt substanziell gefallen. Für das Gesamtjahr erwartet er einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 Prozent. Die Regierung rechnet offiziell noch mit einem Plus von 1,3 Prozent, doch Shimanaka sieht dämpfende Faktoren, die diesen Wert um 1,4 Punkte verringern dürften. In Japan wächst die Wirtschaft schon seit 72 Monaten – das ist ein absoluter Rekord. Selbst in der Wirtschaftswunderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam nach 58 Monaten die erste Rezession.

Zu verdanken ist der Konjunktursegen im Wesentlichen dem raschen Wachstum der umliegenden Schwellenländer, vor allem China, die dankbare Abnehmer japanischer Produkte von Industriemaschinen bis Konsumelektronik sind.

Als Hauptprobleme für die zurückgehende Konjunktur nennen die Ökonomen ein neues Sicherheitsgesetz für den Hausbau, eine Steigerung des Rohölpreises und die Kreditmarktkrise in den USA, die seit Sommer 2007 andauert. Die strengeren Auflagen für die Genehmigung von Bauprojekten sollten eigentlich einen klareren Rahmen für die Branche setzen und den Bewohnern der Häuser mehr Sicherheit bringen. Im Mittelpunkt stehen neue Anforderungen an das Genehmigungsverfahren – sie machen besondere Inspektionen nötig. Nachdem das Gesetz im Juni wirksam wurde, fiel die Baunachfrage von Juli bis September um 50 Prozent. Im Gesamtjahr erwarten Ökonomen einen Bau-Rückgang um 14 Prozent. Schon für das dritte Quartal hat Shimanaka einen bereinigten Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,5 Prozent errechnet.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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