Exportwirtschaft
Deutsche Ausfuhren fallen im Rekordtempo

Ein Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft bröckelt – der Export. Die Ausfuhrwirtschaft steht vor dem schwärzesten Jahr der bundesdeutschen Geschichte. Fast jedes zweite Großunternehmen erwartet spürbare Rückschläge – selbst die erfolgsverwöhnten deutschen Maschinenbauer. Wichtig ist jetzt vor allem eines: ein Impuls aus dem Inland.

FRANKFURT. Die hiesige Ausfuhrwirtschaft steht vor dem schwärzesten Jahr der bundesdeutschen Geschichte. „Wir rechnen 2009 mit einem Exporteinbruch von bis zu acht Prozent“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, dem Handelsblatt. Die Deka-Bank erwartet sogar ein Minus von mehr als zehn Prozent.

Auch die deutschen Topmanager sind außerordentlich skeptisch. 74 Prozent der Führungskräfte gehen davon aus, dass das Auslandsgeschäft in diesem Jahr stagnieren oder sich verschlechtern wird. Fast jedes zweite Großunternehmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten erwartet spürbare Rückschläge. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psephos unter fast 800 Führungskräften im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. Knapp 60 Prozent der Befragten sind im Export tätig.

Die Exportwirtschaft ist seit Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft – zurzeit liegt der Anteil der Ausfuhren am deutschen Bruttoinlandsprodukt bei fast 50 Prozent. Insgesamt waren die Exporte nur in vier Jahren rückläufig, zuletzt 1993 mit einem Minus von 6,4 Prozent. Das war zugleich auch der mit Abstand schärfste Einbruch, der in diesem Jahr aber den Prognosen zufolge klar übertroffen wird. 2008, als die Finanzkrise bereits wütete, hatten die Ausfuhren noch um 2,8 Prozent zugelegt.

Verantwortlich für den Einbruch der deutschen Exportwirtschaft in diesem Jahr ist die Unsicherheit darüber, ob sich die Finanz- und Wirtschaftskrise noch zuspitzen und wie lange sie dauern wird. Die Folge: Wichtige Kunden verringern ihre Bestellungen oder stornieren sogar Aufträge. Und neue Abnehmer sind nicht in Sicht.

Die Krise trifft nicht nur einzelne Länder, sondern die gesamte, eng miteinander verwobene Weltwirtschaft. Das allein bremst die deutschen Ausfuhren schon massiv. Dass die Exporteure im Konjunkturboom phänomenale Wachstumsraten erzielten, lässt den Absturz nun umso heftiger ausfallen. „Deutschland dürfte 2009 den Titel des Exportweltmeisters an China verlieren“, sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Axel Nitschke. Seine Begründung: In der Krise sinke der Bedarf an Investitionsgütern, auf die deutsche Unternehmen spezialisiert seien, stärker als der an Konsumgütern, die chinesische Unternehmen herstellen.

Deshalb sind auch die erfolgsverwöhnten, überwiegend vom Export abhängigen deutschen Maschinenbauer äußerst skeptisch. Nach dem dramatischen Auftragseinbruch im Dezember rechnen 41 Prozent der Befragten in diesem Jahr mit rückläufigen Exporten. Krisenverschärfend kommt hinzu, dass branchenübergreifend die meisten Spitzenmanager von einem nachlassenden oder stagnierenden Inlandsgeschäft ausgehen. Insgesamt kann der Binnenmarkt den Exportrückgang entweder gar nicht oder kaum abfedern. Das geben 42 Prozent der Befragten an. 18 Prozent der Führungskräfte fürchten sogar, das Inlandsgeschäft werde die Unternehmen „zusätzlich bremsen“.

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