EZB-Banker:
Trichet als IWF-Chef vorgeschlagen

Der Ruf nach einem Nachfolger für den inhaftierten IWF-Chef Strauss-Kahn wird lauter. Nun wird der Name des EZB-Präsidenten Trichet ins Spiel gebracht. Für Brasilien muss der Nachfolger nicht unbedingt ein Europäer sein.
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AmsterdamDer niederländische Notenbankgouverneur Nout Wellink hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet als Nachfolger für den in den USA inhaftierten IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ins Spiel gebracht. Der Ende Oktober aus dem Amt scheidende Trichet wäre ein „fantastischer Kandidat“, sollte Strauss-Kahn zurücktreten, sagte Wellink am Mittwochabend im niederländischen Fernsehen.

Der Franzose könnte als Nachfolger von Strauss-Kahn zum Internationalen Währungsfonds gehen oder als Übergangschef für den Fall einer Rückkehr seines Landsmannes. Die Verhaftung von Strauss-Kahn, dem versuchte Vergewaltigung einer New Yorker Hotelangestellten vorgeworfen wird, löste eine Debatte über die Neubesetzung des IWF-Chefpostens aus, der traditionell mit einem Europäer besetzt wird.

Schwellenländer wie China und Brasilien haben diese Regelung in den vergangenen Tagen infrage gestellt. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega bekräftigte die Haltung seiner Regierung nochmals. Der nächste IWF-Chef solle auf Grundlage seiner Eignung und nicht seiner Nationalität ausgewählt werden, schrieb Mantega in einem Brief an seine Kollegen in der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer. Er müsse auch eine größere Zahl an Mitgliedsländern repräsentieren und Befürworter einer Reform des IWF sein. Zugleich warnte Mantega davor, die Nachfolge-Diskussion zu hastig voranzutreiben.

Chiles Notenbankchef Jose De Gregorio forderte Strauss-Kahn dagegen offen zum Amtsverzicht auf. „Ich denke, er sollte zurücktreten“, sagte De Gregorio der Zeitung „Financial Times“. Auf den nächsten IWF-Chef warten große Herausforderungen. Ein Ende der europäischen Schuldenkrise ist noch lange nicht in Sicht, und auch in den USA verschärft sich die Haushaltslage kontinuierlich. In vielen Schwellenländern dagegen wächst wegen des rasanten Wirtschaftswachstums der Inflationsdruck. Große Schwellenländer kämpfen zudem seit geraumer Zeit darum, dass sich ihre wachsende wirtschaftliche Bedeutung auch in der Organisation des IWF widerspiegelt.

Ein möglicher Nachfolger für den inhaftierten IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn muss nach Worten von Brasiliens Finanzminister Guido Mantega nicht zwingend ein Europäer sein. „Brasilien hat immer die Position vertreten, dass die Auswahl auf Verdienst beruht unabhängig von der Nationalität. Die Zeit ist längst vorbei, in der es auch nur entfernt hätte angemessen sein können, diesen wichtigen Posten für einen Europäer zu reservieren“, schrieb Mantega am Donnerstag in einem Brief an seine Amtskollegen der Gruppe der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer (G20).

Zugleich pochte er auf eine Regelung der Frage im G20-Kreis. „Auch ist die Zeit vorbei, in der einige Entscheidungen von einer exklusiven Gruppe von Ländern wie der G7 getroffen werden konnten. Die G20 hat die G7 (Gruppe der sieben wichtigsten Industrieländer) schon als Hauptforum für internationale Wirtschaftskooperation ersetzt“, hieß es in dem auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlichten Schreiben. Der Wunsch einiger europäischer Länder nach einer raschen Lösung ihrer Probleme sei zwar verständlich. Dennoch dürfe die Nachfolge für den Chefposten einer solch wichtigen Institution nicht hastig geregelt werden.

Mantega äußerte sich mit Verweis darauf, dass Strauss-Kahn zwar noch nicht zurückgetreten oder von seinem Posten enthoben worden sei. Allerdings hätten einige IWF-Mitgliedsländer bereits ihre Sicht über die Nachfolge zum Ausdruck gebracht. Deshalb wolle er seine Meinung mit den G20-Finanzministern teilen. „Die gegen ihn (Strauss-Kahn) erhobenen Anschuldigungen sind, wie Sie wissen, ernst. Aber wie jeder andere auch, hat Herr Strauss-Kahn das uneingeschränkte Recht auf Verteidigung, und alle Beschuldigungen müssen sorgfältig untersucht werden.“

Strauss-Kahn sitzt seit Samstag in New York in Untersuchungshaft. Ihm wird auch sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Der 62-Jährige bestreitet die Anschuldigungen und hat einen neuen Antrag auf Freilassung gegen eine Kaution von einer Million Dollar gestellt. Das zuständige Gericht soll noch am Donnerstag darüber verhandeln.

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  • Es reicht langsam mit all den Franzosen!

  • Der neue IWF Chef wird bestimmt vom "Zentralrat" und der US Fed vorgeschlagen.
    Obwohl Deutschland das drittgroesste finanzielle Beitragsland ist, scheint der maechtige Posten, der ueber hunderte von milliarden entscheiden kann, fast nur immer an Franzosen gegeben.
    Auch die IMF Webseite kann man in allen Sprachen, ausser Deutsch, finden.
    Muss Deutschland diese riesen Summen fuer den IWF aufbringen?

  • Guten Tag,.... Nichts gegen Monsieur Trichet;... aber der Mann ist ALT. Besten Dank

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