EZB-Chef
„Das Schlimmste ist vorüber“

Mit Milliarden-Krediten flutete die Europäische Zentralbank die Bankenbranche. Für EZB-Chef Mario Draghi ein absolut richtiger Schritt, der sich ausgezahlt hat. Denn für Draghi ist die Euro-Krise weitgehend ausgestanden.
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Berlin/FrankfurtDer Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat die dem Bankensektor im Zuge der Finanzkrise gewährten Milliardenkredite verteidigt. Im Herbst vergangenen Jahres hätte es „zu einer gefährlichen Kreditklemme bei den Banken kommen können und damit zu Pleiten von Unternehmen, die plötzlich finanziell auf dem Trockenen gesessen hätten“, sagte Draghi der „Bild“-Zeitung. „Das mussten wir verhindern.“ Die Situation damals sei „wirklich kritisch“ gewesen.

Die Gefahr eines Zusammenbruchs der Euro-Zone sieht Draghi nach eigenem Bekunden nicht. „Das Schlimmste ist vorüber, aber es gibt auch noch Risiken“, sagte der Italiener zu „Bild“. „Die Lage stabilisiert sich. Die wichtigen Kennzahlen der Eurozone, wie Inflation, Leistungsbilanz und vor allem Haushaltsdefizite, sind besser als z.B. in den USA.“

Die Meinungsverschiedenheiten mit Bundesbank-Chef Jens Weidmann über die Milliardenkredite seien „aufgebauscht“ worden, sagte Draghi weiter. Allerdings gebe es „Risiken und Nebenwirkungen“ wenn ein „derart starkes Medikament (...), wie es die knappe Billion Euro Zentralbankgeld war“, eingesetzt werde. „Darauf hat Jens Weidmann zurecht hingewiesen und ich bin mit ihm einer Meinung.“

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte jüngst erst versucht, den Konflikt mit Draghi nicht weiter eskalieren zu lassen. „Ich fühle mich im EZB Rat nicht isoliert, weil ich sehe, dass die Argumente die von mir aufgeworfen werden, von anderen aufgenommen werden und auch einfließen in die Diskussion“, sagte Weidmann etwa auf der Jahrespressekonferenz der Bundesbank. Starre Blöcke, mit der Bundesbank und einer kleinen Anzahl nördlicher Notenbanken auf der einen und den Zentralbanken der südlichen Euro-Länder auf der anderen Seite, gebe es nicht. „Die Auffassungen werden in verschiedenen Konstellationen mit verschieden Koalitionen diskutiert.“

Sein persönliches Verhältnis zu EZB-Chef Mario Draghi beschrieb Weidmann als „sehr gut“. „Unser Austausch hat sich, nachdem ich in den EZB-Rat gekommen bin, noch intensiviert und ist durchaus konstruktiv. Ich würde mein persönliches Verhältnis auch als sehr gut bezeichnen. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm, komme auch sehr gut mit ihm aus. Wir respektieren uns auch, auch die Argumente, die wir gegenseitig vorbringen“.

Nach dem Bekanntwerden eines kritischen Briefs Weidmanns an Draghi vor einigen Tagen waren öffentlich Zweifel an Weidmanns Einfluss im EZB-Rat und am Verhältnis zu Draghi laut geworden. Der Italiener, der seit November die EZB führt, hatte bereits vergangene Woche das Verhältnis zu Weidmann gelobt und die besondere Rolle und Bedeutung der Bundesbank in der Währungsunion und im EZB-Rat betont.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Chef: „Das Schlimmste ist vorüber“"

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  • Sparen Sie sich Ihr dämliches Geschwafel. Sie haben von nichts eine Ahnung - davon aber sehr viel !

  • Und genau das ist es, was mich an der ganzen Sache so wütend macht. Sind denn die Politiker zu verbohrt, dass der Wähler braun wählen muss, um überhaupt noch irgendeinen Unterschied zu machen. Das kann doch nicht sein!

  • Die Leitungsbilanz- und Exportüberschüsse, wo her kommen die? Die kommen daher, weil die Unternehmer in Deutschland und die Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten und nicht auf der faulen Haut liegen. Und daher ist das Geld mit Recht verdient. Außerdem, Sie "Superökonom", der größte Teil dieser Überschüsse kommt wird in den Schwellenländern erzielt, weil deutsche Produkte dort wegen ihrer hohen Qualität gefragt sind. Die europäischen Mitbewerber stellen ja nichts auf die Beine weil sie es nicht können. Ihre Kritik geht geht daher fehl. Sie müssen die ansprechen die ihren Hintern nicht hoch bekommen. Also sparen Sie sich Ihre dämlichen Kommentare.

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