EZB-Chefvolkswirt
EZB-Krisenbekämpfung ist kein Allheilmittel

Der EZB-Chefökonom Peter Praet warnte vor der Annahme, die EZB könne die Krise im Alleingang lösen. Die Staaten müssten mit Reformen und einer nachhaltigen Haushaltspolitik gegen die Krise vorgehen, sagte Praet.
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BerlinEZB-Chefvolkswirt Peter Praet hat davor gewarnt, die Krisenbekämpfung der Zentralbank als Allheilmittel zu betrachten. „Niemand sollte sich vom Erfolg der unkonventionellen Maßnahmen der EZB zu dem falschen Gedanken verleiten lassen, dass dies die Medizin zur Lösung der strukturellen Probleme ist“, mahnte Praet am Donnerstag bei einem Vortrag im Bundesfinanzministerium in Berlin. Jetzt seien die Staaten gefragt, mit Reformen und einer nachhaltigen Haushaltspolitik gegen die Krise anzugehen. „Der Ball liegt jetzt im Feld der Regierungen“.

Praet ließ zugleich offen, ob die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der Vertrauenskrise Spaniens an den Anleihemärkten über eine Wiederbelebung ihres Bond-Ankaufprogramms (SMP) nachdenkt: „Es gibt zuviel Rauschen an den Märkten. Ich möchte nicht für neue Geräusche sorgen.“ Praets Direktoriumskollege Benoit Coeure hatte die gestiegenen Risikoaufschläge für spanische Anleihen als ungerechtfertigt kritisiert und spekulativen Anlegern mit einem Wiederauflegen des SMP-Programms gedroht.

Die EZB hat seit Mai 2010 Geschäfte mit Schuldtiteln von Euro-Staaten im Volumen von rund 214 Milliarden Euro abgewickelt. Das Programm wurde mit der Störung der Märkte begründet. De facto drückt die Zentralbank aber mit den Ankäufen umlaufender Anleihen jedoch die Refinanzierungslasten für Schuldenländer wie Spanien und Italien. Wegen der Nähe zur verbotenen Staatsfinanzierung sieht die Bundesbank die Käufe äußerst kritisch.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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