EZB-Chefvolkswirt Stark
„Jeder muss sich anpassen“

Nach der Finanzkrise mahnt EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark Reformen im Finanzsektor an. Im Gespräch mit dem Handelsblatt fordert er, dass die Banken sich der neuen Situation stellen - und sich künftig unabhängiger von der Notenbank finanzieren.
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Handelsblatt: Herr Stark, in den letzten Tagen war viel von einem Währungskrieg die Rede. Würden Sie das auch so nennen?

Stark: Es hilft nicht, wenn wir in dieser Situation, in der die Weltwirtschaft vor vielfältigen Herausforderungen steht, in eine martialische Sprache verfallen. Es wäre fatal, in einen Abwertungswettlauf einzusteigen, der letztlich zu Protektionismus führt. Der Protektionismus der 1930er Jahre hat doch damals erst zur eigentlichen Weltwirtschaftskrise geführt. Was wir jetzt brauchen, ist mehr Kooperation denn je. Alle Regierungen müssen ihre eigenen Hausaufgaben machen und die richtigen Lehren aus der Krise ziehen, anstatt auf andere zu zeigen.

Da hat die jüngste IWF-Tagung aber wenig Hoffnung gemacht

Diese Kooperation muss es geben, es hat sie in der Vergangenheit gegeben und auch jetzt haben alle bestätigt, dass sie an einem soliden und stabilen internationalen Finanzsystem interessiert sind. Die Staaten haben bestätigt, dass die Wechselkurse die ökonomischen Fundamentaldaten reflektieren sollten, und die Einsicht herrscht vor, dass unangemessene Wechselkursschwankungen negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität haben.

Aber das Problem sind doch weniger exzessive Wechselkursschwankungen. Es ist die mangelndeAnpassung der Wechselkurse an die neuen Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft – vor allem des chinesischen Yuan.

China hat im Juni seine Politik neu ausgerichtet, und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Peking dabei bleibt und es in der Zukunft eine weitere Aufwertung der chinesischen Währung geben wird. Aber noch einmal: Wir müssen weg von gegenseitigen Anschuldigungen, wie sie im Vorfeld der IWF-Tagung zu hören waren. Es geht ja auch nicht nur um Währungspolitik

Sondern?

Sondern darum, die richtigen Lehren aus der globalen Krise zu ziehen. Das globale Wachstumsmodell der letzten zehn bis zwanzig Jahre hat mit zu dieser Krise beigetragen. Es beruhte auf nationalen und in der Folge globalen Ungleichgewichten. Dieses Modell muss hinterfragt werden. Leider sind wir aber noch nicht in allen Regionen so weit, dass die notwendigen strukturellen Änderungen in Angriff genommen werden.

Wo hapert es?

Dass das Wachstum in wichtigen Regionen der Welt zu sehr auf einer immer weiter steigenden Verschuldung der privaten Haushalte beruhte. Wir haben nun gesehen, dass das kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum war.

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Kommentare zu " EZB-Chefvolkswirt Stark: „Jeder muss sich anpassen“"

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  • ..und zu Guttenberg neuer CDU-Chef im Freistaat."

    "Handelsblatt" mag mal in der Staatskanzlei nachfragen, wo dies soeben kolportiert wurde. berlin hat's "inoffiziell" schon bestätigt. So passen sich manche Situationen schneller an, als wir alle glaubten, oder? beste Grüße bP

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