EZB-Chefvolkswirt Stark: Trotz Japankrise gute Gründe für Zinswende

EZB-Chefvolkswirt Stark
Trotz Japankrise gute Gründe für Zinswende

Die Katastrophe in Japan hat laut EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark die Koordinaten für eine Zinswende in der Euro-Zone nicht grundsätzlich verschoben. Es gebe gute Gründe für eine Normalisierung in Sachen Geldpolitik.
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BerlinIn einem am Dienstag veröffentlichten Gespräch mit der japanischen Zeitung „Nikkei“ wies Stark darauf hin, dass sich durch den Atom-GAU in Fukushima mittelfristige sogar zusätzliche Inflationsrisiken ergeben könnten: „Japan wird möglicherweise Atomkraft durch andere Energieträger wie Öl oder Erdgas ersetzen. Das könnte die globalen Rohstoffpreise anheizen“. Betrachte man das Gesamtbild, habe sich der Inflationsausblick für die Eurozone somit nicht verändert.

Die EZB habe sich zwar nicht auf eine Zinserhöhung im April festgelegt. „Die Bedingungen für eine Normalisierung des geldpolitischen Standpunkts sind aber da. Und es gibt gute Gründe dafür.“ Das EZB-Direktoriumsmitglied betonte in dem am Freitag geführten Interview zugleich, dass die Inflationserwartungen „noch verankert“ seien. Es bestehe aber das Risiko von Zweitrunden-Effekten, falls sich die anziehende Teuerung in überzogenen Lohnabschlüssen niederschlagen sollte.

„Es ist Aufgabe einer Zentralbank, zu verhindern, dass solche Effekte eintreten.“ Stark verwies darauf, dass weltweit viele Notenbanken noch immer eine Geldpolitik betrieben, die konjunkturstimulierend wirke. „Somit ist das was, die EZB erwägt, ein Schritt in Richtung geldpolitischer Normalisierung.“ Die von der Notenbank auf dem Höhepunkt der Krise 2009 eingenommene Haltung sei angemessen gewesen. „Aber das konjunkturelle Umfeld und die Lage an den Geld- und Finanzmärkten hat sich seither normalisiert“, fügte Stark hinzu.

Bereits am Vortag hatten EZB-Chef Jean-Claude Trichet und weitere ranghohe Notenbanker bekräftigt, dass sie eine Lohn-Preis-Spirale unbedingt verhindern wollen. Die EZB hat erhöhte Wachsamkeit bis zur nächsten Ratssitzung im April signalisiert. Sie sieht mittelfristig Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. In der Euro-Zone lag der Wert im Februar mit 2,4 Prozent jedoch bereits klar darüber. Der deutsche Wirtschaftsweise Lars Feld und weitere Experten rechnen daher damit, dass die EZB recht bald die geldpolitischen Zügel anziehen und den Leitzins von derzeit 1,0 Prozent anheben wird. Es wäre die erste Erhöhung seit Juli 2008.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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