EZB-Chefvolkswirt

Stark warnt vor Einführung von Euro-Bonds

Manchen gelten sie als letzte Wunderwaffe in der Schuldenkrise, doch EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark schlägt Alarm: Eurobonds wären nicht die Rettung, sondern das Ende der Währungsunion.
Update: 19.08.2011 - 09:48 Uhr 7 Kommentare
EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark. Quelle: Reuters

EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark.

(Foto: Reuters)

FrankfurtOffiziell stehen sie noch gar nicht auf der Tagesordnung der EU, trotzdem werden sie heißt diskutiert: EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark hat sich in die Diskussion um Eurobonds eingeschaltet und vehement vor der Einführung der europäischen Gemeinschaftsanleihen gewarnt.

"Euro-Bonds sind nicht nur der Einstieg in die Transferunion, sie sind die Transferunion", sagte Stark im Interview mit dem Handelsblatt. Euro-Bonds seien kein Königsweg aus der Staatsschuldenkrise, sie seien lediglich ein Kurieren an Symptomen. "Es ist eine Scheinlösung, die falsche Anreize schafft."

Starks Äußerungen dürften Wasser auf die Mühlen von FDP und Teilen der Union sein, die die Gemeinschafsanleihen weiterhin strikt ablehnen, weil sie den bereits hoch verschuldeten Euro-Ländern wie Griechenland oder Italien jeglichen Grund zum Sparen nehmen würden - und vor allem Deutschland endgültig zum Zahlmeister der Krise machen würden. Die SPD, Grüne und auch die Euro-Länder Spanien und Italien befürworten die Anleihen hingegen, weil sie sie als letzte Möglichkeit sehen, die wegen der Schuldenkrise in Panik geratenen Finanzmärkte wieder zu beruhigen.

Die nervösen Märkte drängen die Politik, immer stärker in Richtung Gemeinschaftsanleihen zu denken: "Wir bewegen uns auf eine Situation zu, wo es entweder auf Eurobonds oder ein Zusammenbrechen der Währungsunion hinausläuft", sagte Nick Kounis, Chefvolkswirt der ABN Amro in Amsterdam der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wir stehen am Rande extremer Entscheidungen".

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7 Kommentare zu "EZB-Chefvolkswirt: Stark warnt vor Einführung von Euro-Bonds"

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  • Eurobonds können nur ein Zwischenlösung sein und nicht für die Dauer, die Lösung der Schuldenkrise wäre dass der Geldtransfer über die Leistungsbilanzüberschüsse nach Deutschland (Ø14 Milliarden im Monat) und ein paar andere Länder aufhört.
    Die jetzige Verträge schützen die Industrie der wirtschaftlich schwache Euroländer nicht genug.
    Diese Verträge könnten nur funktionieren wenn alle Euroländer gleich stark wären und gleiche natürliche Standortvorteile hätten. Das ist aber bei weitem nicht der Fall.
    Man kann sich das so vorstellen, eine Familie sitzt am Esstisch und jeder bedient sich so wie er kann und nach Kräften. Da würden einige sicher verhungern und andere sich fett-fressen.
    Die Verantwortliche müssten schnellst diese Missstände beseitigen und dafür sorgen dass sich die Wirtschaft in allen Euroländer konvergent einwickelt, evtl. über eine Fiskalunion?

  • Wer die Einführung von Euro Bonds ablehnt, verteht die Zusammenhänge nicht.
    1. Deutschland profitiert durch den Euro und die "Euro Krise", da die Währung niedrig bewertet wird und somit Exporte gefördert werden.
    2. Die Geldmenge verteilt sich auf viele Länder, somit veringert sich die Inflation, ähnlich wie beim USD, an den viele Währungen gekoppelt sind.
    3. Wenn Euro Staaten mit geringer Bonität weniger Zinsen zahlen müßten, können sie mehr investieren, in z.B. deutsche Produkte und Dienstleistungen (Solartechnologie o.ä.)
    4. Deutschland hat im Fall Griechenland bereits großartig profitiert durch Verkäufe von Panzern und U-Booten - also stehen wir bitteschön jetzt auch dafür gerade; selber machen wir ja schließlich auch keine unsinnigen Militärausgaben mehr.
    5. Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ist sinnvoll um Finanz- und Spekulationsblasen systemimmanent im Keim zu ersticken: Sie schließt einen momentan offenen Regelkreis, dem die negative Rückkopplung fehlt.

  • an anonymer benutzer:
    weber ist ja zurückgetreten - hat das irgendjemanden beeindruckt - in der presse, in der politik in der ebz. stattdessen hat er den weg für frau lagarde im weltwährungsfond freigemacht-und unsere hochmoralischen deutschen politiker haben sie nach dem kriminellen/ kranken strauss-kahn in kenntnis dessen, daß gegen sie ein ermittlungsverfahren der französische staatsanwaltschaft wahrscheinlich unterstütz.
    europa ist nicht nur finanziell sondern auch moralisch am ende.

  • das gigantische ablenkungsmanöver der politiker mit den retttungsschirmen hilft -gott sei dank- nicht mehr: die reduzierung der staatsverschuldung- von der die politiker immer noch ablenken -wird nun wohl endlich nicht zu vermeiden sein.
    das nächste ablenkungsstichwort "schuldenbremse" hört der brave bürger und fragt sich, was hat sie in europa - 3% p.a. neuverschuldung pro jahr nicht mehr als 60% des BIP war in den euroverträgen festgeschrieben- bewirkt?wie haben sich die lippenbekenntnisse zur schuldenreduzierung in deutschland ausgewirkt? die höchsten subventionen seit langer zeit an die unternehmen von 180 MRD.
    die schuldenbremse ersetzt nicht charakter, bereitschaft für prinzipien einzustehen und glaubwürdigkeit. es ist traurig, daß auch die deutschen politiker mit wohltaten ihre wiederwahl kaufen und dabei moral heucheln.

  • Wer hat uns verraten? SOZIALDEMOKRATEN!! Das könnte man nicht nur sagen, sondern das ist so wenn deren Vorstellungen umgesetzt werden. Die die von der Schnittlauchpartei (Innen Hohl und außen Grün) da mit einstimmen ist nun zu verstehen. Die haben ja immerhin in der Roth eine Spitzenpolitikerin die weiss wie man eine schöne Pleite hinlegt.

  • Wen interessiert denn noch die Meinung eines Chefvolkswirts einer riesigen Bad Bank? Wenn er Mumm hätte, hätte er aus Protest nach dem ersten Staatsanleihenkauf der Schrottländer durch seine Spaßbank sein Amt zur Verfügung stellen sollen. Jetzt ist alles zu spät und das Kind längst in den Brunnen gefallen. Armselig!!!!!

  • "Die SPD, Grüne und auch die Euro-Länder Spanien und Italien befürworten die Anleihen hingegen, weil sie sie als letzte Möglichkeit sehen, die wegen der Schuldenkrise in Panik geratenen Finanzmärkte wieder zu beruhigen."

    Dass die Schuldenländer das glauben (möchten) ist ja verständlich aber dass SPD und Grüne befürworten, ist gemeingefährlich dumm und Verrat an ihren Wählern,

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