EZB-Entscheidung
Volkswirte halten Zinsschritt für richtig

Die für Donnerstag erwartete Zinserhöhung der EZB ist aus Sicht führender Wirtschaftsverbände ein richtiger Schritt. "Es ist ein rationales und nachvollziehbares Signal, um die Inflationserwartungen zu stabilisieren", sagte der Chefvolkswirt des DIHK, Volker Treier, dem Handelsblatt. Andere werden noch deutlicher.

DÜSSELDORF. "Die einzig richtige Reaktion auf die hohe Inflationrate wäre eine kurzfristig kräftige Zinserhöhung", sagte BGA-Präsident Anton Börner dem Handelsblatt. 25 Basispunkte seien noch zu wenig. Die Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel, die die Inflation antreiben, erfordern aus Börners Sicht mittelfristig ein radikales Umdenken: "Wir müssen die Forschung und Entwicklung vorantreiben, Kernkraftwerke bauen und Gentechnik vermehrt zulassen."

Volkswirte hatten zwar damit gerechnet, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone im Verlauf dieses Sommers auf vier Prozent steigen wird. Mehrheitlich hatten sie im Juni aber mit 3,8 Prozent gerechnet und waren daher überrascht. "Die Zahl ist symbolträchtig und sehr, sehr unangenehm", sagte der Chefvolkswirt für die Euro-Zone von der Bank of America, Holger Schmieding, dem Handelsblatt. "Der erneute Anstieg erhöht die Gefahr auf bis zu 25 Prozent, dass es zu einer Kollision der Geld- und Lohnpolitik kommt und dadurch eine Rezession am Jahresende in der Euro-Zone ausgelöst wird." Dass es angesichts dieses Risikos zu einem Stillhalteabkommen der Zentralbanken und der Gewerkschaften komme, hält Schmieding für "völlig unrealisitisch".

Daher mahnt er bei den Gewerkschaften Lohnzurückhaltung an, die für die Gesamtwirtschaft im Jahresdurchschnitt nicht über drei Prozent liegen solle. Und den Zentralbanken rät er "nichts zu tun". Die Europäische Zentralbank liege etwa auf neutralem Niveau. "Da wäre es das klügste, in beide Richtungen abzuwarten." Auch die erwartete Zinserhöhung am Donnerstag hält Schmieding für "unnötig".

Aus Sicht des Euro-Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Thomas Mayer, ist die weitere Inflationsentwicklung "eine Frage der Energiepreise." Rechnet man die schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel heraus, dürfte die Kernteuerungsrate im Juni bei 1,7 Prozent verharrt haben. Das sei "relativ zahm", sagt Mayer. Dass der Ölpreis weiter steigen und die Inflation treiben wird, hält der Chefvolkswirt für "unwahrscheinlich". Sein Kernargument: Die Finanzkrise, der hohe Euro, der Ölpreis und höhere Löhne setzten die Margen der Unternehmen "enorm unter Druck" und sorgten dafür, dass das Wirtschaftswachstum an Tempo verlieren dürfte. Das wiederum dürfe die Nachfrage nach Öl schmälern, den Rohstoffpreis senken und die Inflationsentwicklung im Jahresverlauf bremsen.

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