EZB erwägt neuen Wertpapier-Kauf: Riskantes Spiel mit „Massenvernichtungswaffen“

EZB erwägt neuen Wertpapier-Kauf
Riskantes Spiel mit „Massenvernichtungswaffen“

Die wachsende Verzweifelung über die eigene Ohnmacht treibt die EZB zu gewagten Manövern. Unter Draghis Führung überlegt die Notenbank nun offenbar, faule Kredite von Firmen aufzukaufen. Das wäre legal, aber gefährlich.

BerlinErinnern Sie sich noch an ABS? Nein, ein Antiblockiersystem wie im Auto ist nicht gemeint. Eher das Gegenteil. Auf den Finanzmärkten steht das Kürzel für Asset-Backed Securities - also verzinsliche Wertpapiere, die durch Forderungen gegenüber Dritten abgesichert sind. Das klingt ungefährlich, ist es aber nicht.

Vor 2007 wurden diese Derivate von Banken gerne dazu benutzt, hochriskante Kreditforderungen zusammenzubinden, um sie dann an allzu naive Investoren in aller Welt weiterzuverkaufen. Verbriefung nannte man das beschönigend, als ob diese "finanziellen Massenvernichtungswaffen" (Warren Buffett) aus der Poststelle kämen.

Nun holt ausgerechnet die Europäische Zentralbank (EZB) das vermeintliche Teufelszeug wieder aus der Mottenkiste und preist ABS als mögliches Heilmittel für die Kreditklemme in den südeuropäischen Ländern an.

Bereits vor einer Woche ließ EZB-Chef Mario Draghi bei der Pressekonferenz nach der Zinssenkung die Katze aus dem Sack: "Der EZB-Rat hat beschlossen, sich mit anderen EU-Institutionen zu der Frage zu konsultieren, ob Maßnahmen für ein besseres Funktionieren der Märkte für solche Asset Backed Securities ergriffen werden können, die mit Unternehmenskrediten hinterlegt sind."

Klar, diese Überlegungen seien noch sehr vorläufig, von einem Entschluss sei man weit entfernt, betonte Draghi eiligst. Aber immerhin: Die EZB habe mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) eine Task-Force gegründet, um den seit längerer Zeit toten ABS-Markt zu beleben. Die EIB ist seit einiger Zeit an Refinanzierungsgeschäften der EZB beteiligt und könnte die von ihr selbst vergebenen Kredite verbriefen.

Für neue Aufregung sorgt nun ein Bericht der Tageszeitung "Die Welt". Mit Bezug auf Informationen aus Notenbankkreisen berichtet die Zeitung, der Gouverneursrat der EZB diskutiere nicht nur, ob die Zentralbank selbst ABS-Papiere aufkaufen könnte. Nein, er sei sogar mehrheitlich dafür.

Die EZB nimmt inhaltlich dazu nicht Stellung, sondern betonte am Mittwoch auf Anfrage des Handelsblatts nur: „Zum Thema ABS hat sich EZB-Präsident Mario Draghi vergangenen Freitag geäußert.“  Gegenüber Reuters sagte ein EZB-Sprecher, die Diskussion über zusätzliche Instrumente zur Belebung der Kreditmärkte sei nicht abgeschlossen.

Ein solches umstrittenes Vorgehen wäre vom Mandat der EZB sogar gedeckt. Doch würde die EZB in den Augen von Kritikern - darunter die Bundesbank und angeblich auch die beiden einflussreichen Direktoriumsmitglieder Yves Mersch und Jörg Asmussen - erhebliche Verlustrisiken eingehen. Aber selbst Asmussen sagte am Mittwoch in Brüssel öffentlich, die EZB sei grundsätzlich offen für alle Optionen innerhalb ihres Mandats, die helfen könnten, den Kreditfluss zu beleben.

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