EZB-Geldpolitik
Trichet lässt sich nicht in Karten schauen

Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während die Wirtschaft den Schritt verteidigte, kamen aus Politik und Gewerkschaften kritische Stimmen. Analysten sind unzufrieden mit den Äußerungen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet zur weiteren Geldpolitik.

HB FRANKFURT. Äußerungen von Trichet wurden vom Markt zwar als Signal für einen nächsten Zinsschritt im Dezember gewertet. Hinsichtlich der weiteren Geldpolitik tappe man aber immer noch im Dunkeln, sagten Analysten. Der Euro fiel in Reaktion auf die Trichet-Aussagen auf ein Tagestief von 1,2685 Dollar.

Die erwartungsgemäß ausgefallene Leitzinserhöhung für die Euro-Zone um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent hatten Anleger zuvor ohne nennenswerte Reaktion zur Kenntnis genommen. Kurz nach dem Zinsentscheid notierte der Euro unverändert um 1,2715 Dollar.

Die Zentralbank hat seit Dezember den Leitzins fünf Mal in kleinen Schritten um insgesamt 1,25 Prozentpunkte angehoben. Im August hatten die Währungshüter das Tempo auf einen Zwei-Monats-Rhythmus beschleunigt. Bankenvolkswirte erwarten noch einen weiteren Zinsschritt bis Jahresende auf dann 3,5 Prozent. Trichet sagte diesbezüglich: „Ich werde nichts sagen, um dieses Gefühl zu korrigieren.“

„Eigentlich hat Herr Trichet jetzt den Märkten zu verstehen gegeben, dass eine weitere Zinserhöhung im Dezember kommt, aber für das kommende Jahr lässt er sich nicht in die Karten schauen“, sagte Analyst Kornelius Purps von der HVB. Trichet habe weiter auf die Preisrisiken verwiesen, aber den Begriff der „hohen Wachsamkeit“ nicht gebraucht.

Bei Wirtschaft und Politik stieß die Zinserhöhung auf ein geteiltes Echo. Während die Wirtschaft den Schritt verteidigte, kamen aus Politik und Gewerkschaften kritische Stimmen. „Die heute von der EZB beschlossene Leitzinsanhebung erhöht die konjunkturellen Risiken in Europa und in Deutschland“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Joachim Poß. Die EZB habe das unmissverständliche Signal gegeben, dass sie zur Einhaltung ihres Ziels der Preisstabilität bereit sei, „die zu beobachtende konjunkturelle Belebung zu stoppen“.

Als angemessen angesichts der robusten Konjunktur bezeichnete dagegen der Deutsche Industrie- und Handelstages (DIHK) die Entscheidung. „Allerdings besteht aus unserer Sicht kein Handlungsbedarf, dieser Zinserhöhung in Kürze weitere folgen zu lassen“, sagte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke. Der deutlich gesunkene Ölpreis mindere den Preisauftrieb. Zudem werde die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland 2007 dem Wachstum im gesamten Euro-Raum einen Dämpfer versetzen.

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