EZB-Geldpolitik
Umstrittener Zinsschritt

Im EZB-Rat gehen die Meinungen über die richtige Geldpolitik auseinander. Mitglieder des EZB-Direktoriums warnen die Währungshüter davor, mit zu starken Zinssenkungen über das Ziel hinauszuschießen. Indes mehren sich die Zeichen für eine Entspannung auf dem Geldmarkt.

FRANKFURT. Nur wenige Tage nach der Sitzung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) wird deutlich, warum EZB-Chef Jean-Claude Trichet betont hat, der Rat habe über die Zinssenkung „im Konsens“, also nicht einstimmig befunden. Denn offenbar gehen im Rat die Meinungen über die richtige Zinspolitik auseinander. „Die Finanzkrise lässt sich nicht mit Zinssenkungen lösen“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark dem „Luxemburger Tagesblatt“. „Ein zu niedriges Zinsniveau kann sich sogar als kontraproduktiv erweisen.“

Der EZB-Rat hatte am vergangenen Donnerstag den Euro-Leitzins um 50 Basispunkte auf das historische Tief von 1,50 Prozent gesenkt. Trichet hatte eine weitere Rücknahme nicht ausgeschlossen. In Großbritannien liegt der Leitzins seit voriger Woche bei 0,5 Prozent und in den USA seit Mitte Dezember nahezu bei null.

Die wichtigste Herausforderung bei der Bekämpfung der Finanzkrise ist nach Ansicht von Stark, den Finanzsektor zu restrukturieren und den Bankensektor zu rekapitalisieren. „Dies ist zuvorderst eine fiskalpolitische Aufgabe und entzieht sich somit unserer Verantwortung und unseren Möglichkeiten“, sagte Stark.

Ähnlich äußerte sich Lorenzo Bini Smaghi, ebenfalls Mitglied des EZB-Direktoriums. Die Krise belaste das Bankensystem, sie erhöhe das Ausmaß der fragwürdigen Kredite und schwäche das Vertrauen in das System. „Die Banken müssen ihre Eigenkapitalquoten erhöhen, um das Vertrauen in das Finanzsystem wieder herzustellen“, sagte Bini Smaghi. Er warnte die Währungshüter davor, mit zu starken Zinssenkungen über das Ziel hinauszuschießen. Der finnische Notenbankgouverneur Erkki Liikanen räumte ein, dass die EZB zwar noch Spielraum für weitere Zinssenkungen habe; die Wirkungen würden aber umso schwächer, je tiefer der Zins gegen Null falle.

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