EZB lässt Leitzins unverändert
Trichet will Geldmarkt unterstützen

Zwar hat die Europäische Zentralbank (EZB) trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten den Leitzins im Euro-Raum unverändert bei 4,25 Prozent belassen. Aber EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat zugesagt, weiterhin für Liquidität am Geldmarkt zu sorgen. Er spricht von der größten Finanzkrise seit dem zweiten Weltkrieg.

HB FRANKFURT/PARIS. Die Banken neigten dazu, die Risiken im Interbankenmarkt zu überschätzen, sagte Trichet. Er appelliere an die Kreditinstitute, die Fassung zu bewahren. Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September hätten sich die Spannungen am Geldmarkt verschärft. „Es gab enorme Konsequenzen, sehr bedauerliche Konsequenzen nach Lehman.“

Die EZB tue, was sie für angemessen halte, um mit dieser Situation zurechtzukommen, sagte Trichet weiter. Der Zinssatz für die Einlagefazilität sei beibehalten worden. Zuletzt parkten die Banken Milliardensummen an überschüssiger Liquidität bei der Zentralbank zu einem für sie ungünstigen Zinssatz, anstelle es sich gegenseitig zu leihen.

Die derzeitige Krise bezeichnete Trichet als die schlimmste Finanzkrise seit dem zweiten Weltkrieg. „In der globalen Finanzwelt und den industrialisierten Staaten hat es seitdem keine vergleichbaren Ereignisse gegeben“, sagte er dem französischen Fernsehsender France 24 Television. Die Reaktion der Europäer auf die Ereignisse sei prompt und richtig gewesen. Er wisse aber nichts über ein europäisches Rettungspaket wie es in den USA geplant sei.

Die EZB pumpt seit etwa zwei Wochen gemeinsam mit anderen Notenbanken Milliardenbeträge in den Markt, um ein Austrocknen zu verhindern. Nach dem Zusammenbruch mehrerer Banken trauen sich die Kreditinstitute untereinander kaum noch, die Zentralbanken haben daher Aufgaben des Geldmarktes übernommen. Auch am Donnerstag stellte die Notenbank den Banken erneut 50 Milliarden Dollar zu einem Zinssatz von 2,75 Prozent für einen Tag bereit.

Trichet sagte nach der Entscheidung der Notenbank, dass auch eine Zinssenkung im EZB-Rat diskutiert worden sei. Er verwies darauf, dass die Mitglieder des geldpolitischen Gremiums ausführlich über die Verschärfung der Finanzkrise und über die möglichen Folgen für Wirtschaftsaktivität und Inflation gesprochen hätten. So betonte Trichet, dass die wirtschaftliche Unsicherheit vor diesem Hintergrund außergewöhnlich gestiegen sei. Zudem hätten die jüngst veröffentlichten Daten gezeigt, dass die sich die Wirtschaftsaktivität in der Eurozone abschwäche und die inländische Nachfrage angesichts restriktiverer Kreditbedingungen sogar falle. Die Konjunkturabschwächung sei gut sichtbar, sagte er.

Zugleich erklärte Trichet aber auch, dass die Inflation in der Eurozone noch für einige Zeit hoch bleiben werde. Preisstabilität könne die EZB erst ab Anfang 2010 gewährleisten, sagte er. Die EZB definiert Preisstabilität bei einem Anstieg der Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von von „knapp zwei Prozent“.

Auch wenn es dem EZB-Präsidenten zufolge Anzeichen für eine Abschwächung des Geldmengen- und Kreditwachstums gebe, sprach er von anhaltenden - wenngleich nachlassenden - Aufwärtsrisiken für das Ziel der Preisstabilität. Es sei deshalb wichtig, so Trichet, die Inflationserwartungen fest zu verankern und breit basierte Zweitrundeneffekte bei Preisen und Löhnen zu vermeiden. Folglich werde die EZB alle Entwicklungen sehr genau beobachten. Zugleich konstatierte der EZB-Präsident eine zuletzt „gute Entwicklung“ der Inflationserwartungen.

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