EZB
Leitzins unverändert – Märkte warten auf Trichet

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins von 4,25 Prozent trotz des wirtschaftlichen Abschwungs nicht geändert. Die Finanzmärkte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Der Dax zeigte kaum Reaktionen. Doch das könnte sich nach den Erläuterungen von Präsident Jean-Claude Trichet schnell ändern.

HB FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ ungeachtet der Sorge um die Konjunktur den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bei 4,25 Prozent. Anfang Juli hatte die Notenbank im Kampf gegen die Inflation den Zins noch um 0,25 Prozentpunkte erhöht.

Damit will sie die Rekordinflation bekämpfen und eine Lohn-Preis-Spirale verhindern: Die Jahresteuerung in den 15 Euro-Ländern hat sich vor allem wegen der Energiepreise auf 4,1 Prozent erhöht und liegt damit doppelt so hoch wie von der EZB angestrebt. Stabile Preise sehen die Währungshüter nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Die Entscheidung der EZB zugungsten unveränderter Zinsen sorgte für keine Bewegung im Markt. „Das war so erwartet worden“, sagte ein Händler. Der Dax-Futures zeigt sich nach Bekanntgabe der Entscheidung unverändert. Nun werde auf die Kommentare der Zentralbanker gewartet. „Das kann spannender werden.“

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird die Entscheidung am Nachmittag bei seiner üblichen Pressekonferenz in Frankfurt begründen. Beobachter erhoffen sich davon Hinweise, wie es mit der Geldpolitik weitergeht. Viele dürften mit besonderer Spannung verfolgen, wie die Zentralbanker die zunehmende Wirtschaftsflaute in der Euro-Zone bewerten.

Zuletzt hatten zahlreiche schlechte Konjunkturdaten Rezessionsängste in mehreren Euroländern geschürt. Sollten Trichets Worte pessimistischer als zuletzt klingen, könnte dies nach Einschätzung einiger Volkswirte das Ende des Zinserhöhungszyklus einläuten. Die Mehrheit der von Reuters befragten Analysten rechnet damit, dass die Währungshüter den Leitzins mindestens bis März 2009 nicht antasten.

Anders als die Frankfurter Zentralbanker steckte die US-Notenbank Fed jüngst noch im Zinssenkungszyklus. Mit kräftigen Schritten schraubten die Amerikaner ihren Leitzins seit September von 5,25 auf 2,0 Prozent, um sich gegen die Finanzkrise und die Konjunkturschwäche der weltgrößten Volkswirtschaft zu stemmen.

Am Dienstag ließ die Fed ihren Zins aber zum zweiten Mal in Folge unverändert und nimmt bei anhaltender Wirtschaftsschwäche zunehmend die Inflation stärker in den Blick. Auch die britische Notenbank tastete ihren Leitzins am Donnerstag trotz Rekordinflation und Wachstumsrisiken den vierten Monat in Folge nicht an und ließ ihn bei fünf Prozent.

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