EZB
„Nullzinsen sind jetzt nicht angemessen“

Im Gegensatz zur Bank of England, die heute erneut den Leitzins senkte, hat die Europäische Zentralbank trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise eine Pause eingelegt: Der Leitzins im Euro-Raum bleibt unverändert bei 2,0 Prozent. Zentralbankchef Jean-Claude Trichet sagte, Nullzinsen seien gegenwärtig nicht angemessen.

HB FRANKFURT. Ihre Entscheidung teilte die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrer Sitzung am Donnerstag in Frankfurt mit. Angesichts der Rezession in vielen Euro-Ländern und des nachlassenden Preisdrucks hatten viele Volkswirte zur Stützung der Wirtschaft eine Zinssenkung verlangt. Viele Experten waren jedoch auch davon ausgegangen, dass der Leitzins unverändert bleibt.

Trichet gab am Donnerstag zunächst keine konkreten Hinweise für die nächste Sitzung des EZB-Rats im März. „Wir werden tun was nötig ist“, sagte der EZB-Präsident mit Blick auf die kommende Zinsentscheidung im März. Die nächste Zinsentscheidung werde auf der Grundlage von neuen Konjunkturdaten und den dann vorliegenden Projektionen der EZB-Mitarbeiter getroffen. Gleichwohl könne eine weitere Zinssenkung nicht ausgeschlossen werden. Der aktuelle Leitzins von zwei Prozent sei keine feste Untergrenze.

Nach Einschätzung der Helaba hat Trichet mit seinen Worten eine weitere Reduzierung des Leitzinses in Aussicht gestellt. Insgesamt halte die Zentralbank aber an ihrer „vergleichsweise zögerlichen Haltung“ fest, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Bankhauses. Der Verweis, dass eine Null-Zins-Politik nicht angemessen sei, könne dahingehend interpretiert werden, dass eine expansive Politik wie in den USA, Japan oder Großbritannien, nicht zu erwarten sei.

Eine Senkung des Leitzinses von derzeit 2,00 Prozent auf 1,50 Prozent in vier Wochen sei wahrscheinlich. Die Markterwartung, wonach der Leitzins Anfang April bei 1,00 Prozent liege, könnte aber etwas zu ambitioniert sein. Allerdings habe Trichet betont, dass sich die EZB vorab nicht festlege.

Trichet hatte schon nach der jüngsten Senkung um 0,5 Punkte im Januar eine Zinspause angedeutet. Die Notenbank habe bereits berücksichtigt, dass sich die Wirtschaft im Euro-Raum weiter verschlechtern werde, sagte Trichet damals.

Nach der wie erwartet ausgefallenen EZB-Zinsentscheidung bröckelte der Dax etwas ab. Marktteilnehmer messen der Bewegung keine Bedeutung bei. Das Geschäft sei durch Richtungslosigkeit bestimmt. So lange der Dax das Erholungshoch aus der Vorwoche bei 4.533 Punkten nicht überwinde, dürfte das Aufwärtspotenzial begrenzt bleiben.

Seit Herbst reduzierte die Notenbank den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld um insgesamt 2,25 Prozentpunkte auf seine bisherige Untergrenze.

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