EZB: Ölpreis belastet auch das Wirtschaftswachstum
Notenbanker warnen vor steigendem Inflationsdruck

Der massive Anstieg der Ölpreise wird nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) „sehr deutliche“ Auswirkungen auf Wirtschaft und Inflation in der Euro-Zone in den kommenden drei Jahren haben.

WASHINGTON. Durch den Preisschock werde das Wachstum wohl um rund einen Prozentpunkt niedriger ausfallen, warnte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach dem Treffen der sieben größten Industriestaaten (G7) in Washington. Außerdem werde sich der Ölpreisanstieg in der Inflation niederschlagen.

Lange Zeit hatte die EZB in Sachen Ölpreis eher beschwichtigt. In den vergangenen Tagen hatten allerdings EZB-Vertreter bekräftigt, dass die Zentralbank die Leitzinsen beim ersten Anzeichen eines stärkeren Inflationsdrucks anheben dürfte. Auch Bundesbankpräsident Axel Weber scheint mittlerweile eher die Gefahr künftiger Zinserhöhungen zu sehen (s. Nachgefragt Seite 25). In den vergangenen 18 Monaten hat sich der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl nahezu verdoppelt. Nach Berechnungen der EZB werde das Wachstum der Euro-Zone in diesem Jahr voraussichtlich bei 1,0 bis 1,6 Prozent liegen und 2006 bei 1,3 bis 2,3 Prozent, sagte Trichet.

Die G7 und der Internationale Währungsfonds (IWF) riefen die Erdöl exportierenden Länder auf, zusätzliches Öl bereitzustellen, und forderten eine Steigerung der Investitionen in der Erdölindustrie. Außerdem verlangten sie größere Transparenz auf den Ölmärkten. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben bereits zugesagt, die Ölförderung um acht Prozent zu erhöhen.

Einen Durchbruch brachte die IWF-Tagung für die Entschuldung der ärmsten Länder der Welt. Nach der Sitzung des obersten Leitungsgremiums des IWF sei man sich über alle wesentlichen Bestandteile eines Schuldenerlasses von bis zu 56 Mrd. Dollar über 40 Jahre einig, sagte der Vorsitzende des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses (IMFC), der britische Schatzkanzler Gordon Brown. Der Schuldenerlass könne voraussichtlich 2006 beginnen.

Der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser nannte die Einigung einen historischen Schritt. Sie stelle sicher, dass die Fähigkeit von IWF und Weltbank, Kredite zu vergeben, nicht unter dem Schuldenerlass leide. Die G7 sagte zu, die Weltbanktochter IDA, die den 81 ärmsten Ländern mit Krediten und Zuschüssen hilft, auch künftig großzügig auszustatten. Zudem wird das Programm an eine Pro-Kopf-Einkommensschwelle von 380 Dollar gebunden, um die Gleichberechtigung der einzelnen Länder sicherzustellen.

Die Teilnehmer des G7-Treffens begrüßten außerdem die jüngsten chinesischen Währungsreformen. Am Freitag hatte die chinesische Zentralbank die Schwankungsbreite für den Yuan zu allen Währungen außer dem Dollar ausgeweitet. Ende Juni hatte China die Kopplung an den Dollar gelockert. „Nach den jüngsten Schritten ist der Druck auf China erst einmal gelockert“, hieß es in der deutschen Delegation. Doch bereits am Wochenende kam es zu neuen verbalen Gefechten zwischen China und den USA. Der chinesische Notenbankchef Zhou Xiaochuan sagte, die Anpassungen seien kein Zeichen für „grundsätzlich größere Flexibilität“ des Yuans. US-Finanzminister John Snow forderte den IWF auf, „erheblich mehr Ehrgeiz“ bei der Aufsicht über die Wechselkurssysteme zu zeigen. Dies gelte vor allem angesichts der fehlenden Flexibilität in großen Volkswirtschaften.

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