EZB-Online
Wenn Schüler plötzlich Notenbanker spielen

In der zweiten Etage des Frankfurter Eurotowers wimmelt es vor Schülern. Fünf Schulen aus Frankfurt sind angetreten, um im Online-Wettbewerb auszuspielen, was die ständige Aufgabe des EZB-Rats ist: Preisstabilität im Euro-Raum zu gewährleisten.
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FRANKFURT. So viel Trubel gibt es in der Europäischen Zentralbank (EZB) selten. In der zweiten Etage des Frankfurter Eurotowers wimmelt es vor Schülern. Fünf Schulen aus Frankfurt waren angetreten, um im Wettbewerb untereinander in Internet-Spielen zu üben, was die ständige Aufgabe des EZB-Rats ist: Preisstabilität im Euro-Raum zu gewährleisten.

Voll konzentriert scharten sich die fünf Gruppen um die Bildschirme. Die Herausforderung hieß "Economia - das Spiel über die Geldpolitik". Über einen Zeitraum von acht Jahren mussten die Spieler jedes Quartal einen Zinsbeschluss treffen. Das Ziel: Die Inflation unter, aber nahe zwei Prozent zu halten. Hilfestellung erhielten die "Zentralbanker" von Beratern der EZB. Angezeigt bekamen sie verschiedene Wirtschaftsindikatoren: das Produktionswachstum, das Wachstum der Geldmenge und die Arbeitslosigkeit.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels nahm im Verlauf zu, da die Spieler auf eine Reihe nicht voraussehbarer Ereignisse reagieren mussten: etwa ein plötzlicher Anstieg des Ölpreises, ein Crash und ein Boom an den Aktienmärkten.

Ob ihnen das Spiel denn gefallen habe, wollte nachher ein Pressesprecher der EZB wissen. "Es hat wirklich Spaß gemacht", sagte ein Schüler. "Es hätte auch noch ein bisschen schwieriger sein können." Aber das sahen nicht alle so. "Man versucht, etwas zu steuern, und dann passiert etwas, und der Zinssatz tut überhaupt nicht mehr, was er tun soll", berichtete ein anderer Schüler. "Bei uns ist das Spiel völlig außer Kontrolle geraten", gestand ein Dritter. "Die Geldmenge explodierte, und die Inflation schoss in die Höhe."

Der Gewinner des Wettbewerbs war die Liebigschule. Der zweite Preis ging an das Friedrich-Dessauer Gymnasium, der dritte Platz an das Lycée Victor Hugo.

"Wenn Sie eingesehen haben, dass es nicht leicht ist, die Inflationsrate nahe zwei Prozent zu halten, hat das Spiel schon einen Zweck erfüllt", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der sich trotz seines enormen Tagespensums Zeit für die jungen Leute genommen hatte. Im richtigen Leben sei das für den EZB-Rat nämlich wirklich eine Herausforderung. Die EZB will den Kontakt zur Jugend pflegen. Sie will in weiteren Spielen zeigen, wie schwierig es ist, in Europa Geldpolitik zu betreiben.

Ein zweites Spiel, das die EZB entwickelt hat, "Inflation Island", kam ein bisschen zu kurz, weil die Zeit nicht mehr reichte. Der Spieler erfährt darin, wie wichtig Preisstabilität ist - und lernt, welche negativen Effekte Deflation, eine hohe Inflation und Hyperinflation haben können. Beide Spiele stehen auf der Web-Site der EZB - damit alle in Europa etwas lernen können, sogar in 22 Sprachen.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

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